Politik : Kleine Sünden

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit, von Freunden einer verständlichen Sprache auch Entwicklungsministerin genannt, ist ein höflicher Mensch. Journalisten sind manchmal nicht ganz so höflich. Heidemarie Wieczorek-Zeul jedenfalls entschuldigte sich kürzlich bei dem Büroleiter einer überregionalen Zeitung für das Übergehen seiner Wortmeldung mit der Bemerkung, sie habe zu sehr nach links gesehen. „Das ist doch ein alter Fehler von Ihnen“, entgegnete der trocken.

Ob es ein neuer Fehler der Politikerin ist, dass sie gegen einen Kabinettskollegen demonstriert, wird noch diskutiert. Am vergangenen Wochenende sprach die Südhessin auf der Großdemonstration gegen Otto Schilys Plan, das BKA nach Berlin zu holen. Aber die Ministerin verkühlte sich während ihres Auftritts vor Tausenden von Kriminalbematen, die als ordnungsliebende Menschen CDU wählen und auch durch eine Rede der Ex- Juso-Chefin und SPD-Linken nicht für Rot-Grün zu gewinnen sind. Die Erkältung, die Wieczorek-Zeul sich zuzog, war jedenfalls so gravierend, dass die Ministerin auf die Begleitung des Kanzlers nach Afrika verzichten musste, was ihr schwer gefallen sein dürfte. Denn die Politikerin ist vom Kontinent begeistert und bot vor Schröders Abflug jede Wette an, dass auch der Kanzler als glühender Afrika-Fan zurückkehren werde.

Einen wird’s gefreut haben. Denn möglicherweise verfügt Schily über bessere Kontakte nach ganz oben, als viele ahnen. Kleine Sünden bestraft der Herrgott bekanntlich sofort. Langsam wird verständlich, warum der Innenminister gar so wenig Beratungsbedarf spürt. Wer solche Verbündete hat, kann gar keine Fehler machen.

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