Politik : Kleiner Dienst unter Freunden

Deutsche helfen, Atom-U-Boote in Russland zu entschärfen

Matthias Schlegel

In der Saida-Bucht nahe der russischen Hafenstadt Murmansk liegen tickende Zeitbomben im Wasser: ausgemusterte russische Atom-U-Boote. Nun sollen sie mit deutscher Hilfe entschärft werden. In der vergangenen Woche wurde der deutsch-russische Vertrag über die Entsorgung von 120 der 170 atomgetriebenen U-Boote der russischen Nordmeerflotte unterzeichnet. Insgesamt verfügt Russland angeblich über 240 solcher Atom-U-Boote.

Unter Leitung von Experten der deutschen Energiewerke Nord GmbH (EWN) werden die 100 bis 170 Meter langen Wracks, in denen zum Teil noch Kernbrennstäbe liegen, an Land gezogen. Wie EWN-Geschäftsführer Dieter Rittscher erläutert, werden dann die radioaktiven Herzen, die von einem 20 Zentimeter dicken Stahlmantel umgebenen Reaktoren, aus den Schiffsrümpfen geschnitten. Diese rund zehn Meter langen Segmente werden mit einer 50 Zentimeter dicken Betonschicht als Zusatzabsicherung versehen, ehe sie in das nahe gelegene atomare Zwischenlager gebracht werden, das ebenfalls von EWN-Fachleuten konzipiert und eingerichtet wird. Dabei können die Experten auf ihre Erfahrungen beim Bau des Zwischenlagers Lubmin an der Ostseeküste zurückgreifen. In 70 bis 80 Jahren können die Reste der Reaktoren nach Rittschers Angaben dann gefahrlos demontiert werden.

Auf dem vorletzten G8 Gipfel im Sommer 2002 hatten der amerikanische Präsident George Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder Russlands Staatschef Wladimir Putin Hilfe bei der Aufarbeitung der nuklearen militärischen Hinterlassenschaften zugesagt. Die Russen selbst können die Entsorgung nicht bezahlen. Mit dem 300 Millionen Euro umfassenden Auftrag an die in der Nähe von Greifswald angesiedelten Energiewerke Nord GmbH löst die deutsche Seite ihre Zusagen ein. Die EWN-Fachleute demontieren seit Jahren die beiden 1990 auf dem Gebiet der DDR abgeschalteten Kernkraftwerke in Lubmin und im brandenburgischen Rheinsberg. Maximal zehn Leute aus dem Team von EWN werden in Russland nun an der Entsorgung der wohl weltweit größten Atommüllhalde mitarbeiten, auf deren Gefährlichkeit Umweltorganisationen seit Jahren hinweisen. Bis zu den Wracks selbst werden sie nicht vordringen – sie liegen im militärischen Hochsicherheitsbereich. Die Ingenieure koordinieren die Arbeiten von Murmansk aus, anderthalb Autostunden von dem gigantischen U-Boot-Friedhof entfernt.

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