• Klima-Handel: Grüne drängen auf Einstieg in den Emissionshandel - Kohlendioxid Ausstoß vermindern

Politik : Klima-Handel: Grüne drängen auf Einstieg in den Emissionshandel - Kohlendioxid Ausstoß vermindern

Ulrike Fokken

Die Grünen drängen den Koalitionspartner SPD, ernsthaft an der Verringerung des Treibhausgases Kohlendioxid zu arbeiten. Denn von dem international verankerten Ziel - 25 Prozent weniger CO2

im Jahr 2005 - ist die rot-grüne Regierung noch weit entfernt. Um rund zehn Prozent müssen Unternehmen, Privathaushalte und der Staat in den nächsten fünf Jahren ihre Emissionen verringern, um die gesteckte Marke zu erreichen. Doch Verkehrs- und Bauminister Reinhard Klimmt und Wirtschaftsminister Werner Müller sehen das noch von der Kohl-Regierung ausgegebene Ziel offensichtlich als Kann-Bestimmung. "Sie zeigen sich nicht so kooperativ, wie wir es wünschen", sagt Reinhard Loske, umweltpolitischer Sprecher der Grünen.

Dabei sind die Ressorts von Müller und Klimmt für zwei Drittel der noch einzusparenden Kohlendioxid-Ausstösse verantwortlich. Beim Verkehr müssen ebenso wie in der Energiewirtschaft je 20 Millionen Tonnen CO2

in den nächsten fünf Jahren eingespart werden. Würden Häuser und öffentliche Gebäude in Deutschland saniert, gelangten ebenfalls 20 Millionen Tonnen weniger in die Atmosphäre. Loske mahnt Kanzler Gerhard Schröder, sich an seine eigenen Versprechen vom November zu erinnern. Der hatte damals die Klimaschutzziele zum vorrangigen Anliegen der Regierung erklärt.

Das allein wird auf Dauer nicht reichen. Um international weiterhin ernst genommen zu werden und vor allem wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse Deutschland jetzt in den Handel mit Emissionsscheinen einsteigen, fordert Loske. Dafür müsse die rot-grüne Regierung die Unternehmen verschiedener Branchen zusammenbringen und für sie eine Höchstgrenze der CO2

Emissionen festlegen. Innerhalb dieser Gruppe können die Unternehmen die Mengen frei handeln: Überschreitet Stahlfabrikant Koks die festgelegte Menge, kann er von Schokoladenhersteller Keks einen Emissionstitel kaufen und weiter produzieren, ohne in umweltfreundlichere Anlagen zu investieren.

Bis 2005 könne Deutschland ein derartiges System aufbauen. Dann wird der Emissionshandel auch durch die Europäische Union geregelt sein. Ab 2008 wird die internationale Staatengemeinschaft sich auf den Handel geeinigt haben. "Wer zuerst kommt, hat nur Vorteile", sagt Loske. In der deutschen Wirtschaft hat Loske schon Interessenten für das lukrative Geschäft gefunden. BP, Shell, die Deutsche Bank und die Strombörsen in Frankfurt und Leipzig sehen darin einen Markt.

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