Klima-Risiko-Index : Wetterkatastrophen treffen vor allem Entwicklungsländer

Germanwatch legt den Klima-Risiko-Index vor – und fordert zusätzliche Hilfe für die Anpassung an die globale Erwärmung.

313787_0_4a0824e3.jpg

Berlin - Zwischen 1990 und 2008 waren Bangladesch, Birma und Honduras am schlimmsten von wetterbedingten Katastrophen betroffen. Das geht aus dem Klima-Risiko-Index hervor, den die Nichtregierungsorganisation (NGO) Germanwatch am Dienstag in Kopenhagen zum fünften Mal vorgelegt hat. Die Risikoeinschätzung wurde auf der Basis von Daten der Münchener Rück berechnet.

Die zehn Staaten, die die meisten Klimafolgen verkraften mussten, waren alle Entwicklungsländer. Insgesamt starben 600 000 Menschen bei mehr als 11 000 extremen Wetterereignissen. Die wirtschaftlichen Verluste lagen zusammengerechnet bei 1,7 Billionen US-Dollar. Im vergangenen Jahr waren Birma, Jemen, Vietnam und die Philippinen besonders hart von Wetterkatastrophen betroffen. Die wirtschaftlichen Verluste im vergangenen Jahr lagen insgesamt bei 123 Milliarden Dollar, lediglich etwa ein Drittel davon war versichert, stellt Sven Harmeling, Autor der Studie, fest. Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch, sagte in Kopenhagen: „Es ist in erster Linie Aufgabe der Industrieländer, den Rahmen für eine gute Anpassungsstrategie für die besonders verletzlichen Entwicklungsländer zu schaffen.“ Er plädiert in diesem Zusammenhang auch für Versicherungslösungen für Menschen in armen Ländern. „Die Finanzen dafür sollten in erster Linie von denen kommen, die für den Klimawandel verantwortlich sind.“ Saleemul Huq von der Entwicklungsorganisation IIED verlangte, dass Mittel für die Anpassung an den Klimawandel von den Industriestaaten zusätzlich zu Investitionen in die Entwicklungszusammenarbeit gezahlt werden müssten. Der Beschluss des deutschen Bundestages, die Mittel gegeneinander zu verrechnen, ist in Entwicklungsländern und bei Entwicklungs-NGOs nicht besonders gut angekommen.

Der Chef der Afrikanischen Entwicklungsbank, Donald Kaberuka, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Klimawandel koste Afrika schon heute etwa drei Prozent seiner Wirtschaftsleistung. Er hält rund 40 Milliarden Dollar im Jahr für die afrikanischen Länder für nötig damit sich diese an den Klimawandel anpassen können. Die Zahlen, die in Kopenhagen diskutiert werden, liegen zwischen zehn Milliarden Euro zwischen 2010 und 2012 als Starthilfe und bis zu 200 Milliarden Dollar jährlich, die die Entwicklungsorganisation Oxfam für notwendig hält. Auch Kaberuka verlangt, die Mittel zusätzlich zur Entwicklungshilfe zu zahlen.

Wie hoch die Risiken sind, zeigt auch eine kürzlich von der SwissRe koordinierte Studie über die Ökonomie der Anpassung. Wenn die derzeitigen Emissionstrends nicht gebrochen werden, sind nach diesen Berechnungen bis 2030 zwischen einem und zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung von verwundbaren Weltregionen in Gefahr. In Entwicklungsländern müsse die Anpassung an den Klimawandel bei jeglichen Entwicklungsprojekten bereits mitgedacht werden, fordern die Autoren. Denn ob ein Staudamm langfristig Strom liefern kann, hängt davon ab, ob der Fluss, an dem er gebaut werden soll, gletschergespeist ist und womöglich schon bald dramatisch weniger Wasser führt, oder ob er vor allem vom Regen abhängt, während sich die Niederschlagsmuster weltweit ändern. Auch ob eine Straße entlang einer Küste den Meeresspiegelanstieg übersteht, sollte bedacht werden, bevor große Investitionen getätigt werden. Sicher sind sich die Autoren, dass Investitionen in die Anpassung allemal billiger kommen als die Katastrophenhilfe danach. deh

0 Kommentare

Neuester Kommentar