Politik : Klimaforscher fordert globalen Katastrophenfonds

Chef des Potsdam-Instituts: 100 Milliarden Euro jährlich nötig / Bundesumweltministerium: Zugebaute Landschaft eine Flutursache

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Berlin. Der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Professor Hans- Joachim Schellnhuber fordert angesichts der Elbe-Flut die Schaffung eines „internationalen Anpassungsfonds“. Darin sollten jährlich rund 100 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Daraus ließen sich Schäden bezahlen, die entstehen, weil sich durch den Klimawandel Naturkatastrophen häufen, sagte er dem Tagesspiegel. 100 Milliarden Euro seien die Untergrenze der im 21. Jahrhundert pro Jahr zu erwartenden Kosten durch zusätzliche Stürme, Hochwasser, Dürren, Schädlingsplagen und andere Folgen des „menschengemachten“ Klimawandels. Damit spreche er nicht gegen eine langfristige Klimaschutzpolitik. „Die Schäden fallen aber bereits jetzt an“, sagte Schellnhuber. Deshalb sollte die Chance, nun einen internationalen Katastrophenfonds zu bilden, unbedingt genutzt werden. Die Mittel dafür könnten über Nutzungsentgelte für derzeit „kostenlose Güter wie die Meere oder die Luft beim Flugverkehr“ eingenommen werden.

Das Umweltministerium und das Bundesamt für den Naturschutz (BfN) haben zehn grundsätzliche Vorschläge vorgelegt, wie Hochwasserkatastrophen künftig vermieden werden könnten. In einem gemeinsamen Positionspapier, das dem Tagesspiegel vorliegt, verlangen sie Deiche ins Landesinnere zurückzuverlegen, die intensive Landwirtschaft entlang der Flüsse einzustellen und deutlich weniger Flächen zu versiegeln. Die beobachtete Häufung von „Jahrhunderthochwassern“ führen Ministerium und BfN auch auf den Ausbau der Flüsse zurück. Am Rhein sind seit den 70er Jahren vier Fünftel der Auenwälder verloren gegangen, an der Elbe sind nur noch 15 Prozent der natürlichen Überschwemmungsflächen vorhanden, analysieren sie. Als größtes Problem benennen sie den täglichen Flächenverbrauch von derzeit rund 130 Hektar.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt kritisierte erneut die Finanzierung des Hilfsfonds für Flutopfer. Jegliche Steuererhöhung sei ökonomisch falsch, sagte er der „Magdeburger Volksstimme“. Dagmar Dehmer

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