Klimaforschung : Diplomatische Expedition

Bundespräsident Köhler zeigte ausländischen Botschaftern in Bremen, was deutsche Klimaforscher leisten.

Elisabeth Binder
Koehler
Horst Köhler -Foto: dpa

BremenBeim Verlassen der Flughöhe wird die Bundeswehrmaschine, die Horst Köhler und rund hundert in Deutschland akkreditierte Botschafter nach Bremen bringt, von ungewöhnlich heftigen Wind- und Regenböen durchgeschüttelt. Das wirkt fast wie eine Einstimmung auf das Hauptthema des jährlichen Bundespräsidenten-Ausflugs für das Diplomatische Korps. Es geht um Klimaschutz, eine, wie Köhler noch im Flugzeug in seiner Begrüßungsansprache sagt, „Herausforderung, von der alle unsere Heimatländer betroffen sind, und mit der wir uns gemeinsam befassen müssen, um sie erfolgreich bekämpfen zu können“.

In Bremerhaven warten bereits Klima- Kapazitäten vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und des neuen Klimahauses mit Computerpräsentationen. Es geht um internationale Forschungsexpeditionen in die Arktis, um die abnehmende Eisdicke, aber auch um große, natürliche Wasserquellen, die dort im Eis verborgen sind. Die Botschafter lauschen gebannt, lassen ihre Handys klingeln, ohne ranzugehen. Wie viel der Erderwärmung von Menschen gemacht sei, will der Bundespräsident wissen. „70 Prozent“, antwortet Professor Heinrich Miller. Der Botschafter Namibias zeigt sich beeindruckt vom Networking der Forscher aus verschiedenen Ländern. Ob es das auch zwischen Europa und den Entwicklungsländern gebe? Das einzige afrikanische Land, das selber forsche, sei Südafrika, sagt der Professor. „Wir sind aber sehr offen und wären froh, wenn sich Interesse entwickelt.“

Inzwischen hat sich der Himmel draußen aufgehellt, zeigt blaue Flecken. Arne Dunker vom Klimahaus präsentiert eine Reise durch verschiedene Klimazonen. 600 000 Besucher jährlich interessieren sich für seine neuartige Klimawandel-Erlebniswelt. Klimaforschung als Tourismusattraktion – da wird der nigerianische Botschafter nachdenklich. Er erzählt, wie bislang nie gekannte Fluten in seinem Heimatland immer wieder das Saatgut vernichten, ganz sicher auch eine Folge des Klimawandels. Alternative Einnahmequellen wie den Tourismus beginne man hingegen gerade erst aufzubauen.

Nach einer großen Fischtafel im Fischereihafen geht es auf Bootstour. In die ausgelassene Stimmung des Klassenausflugs mischt sich immer wieder Nachdenklichkeit. Der irakische Botschafter will seiner Umweltministerin von diesem Ausflug berichten und erzählt von einem erfolgreichen Umweltprojekt im Süden seines Landes. Sein kanadischer Kollege berichtet von früheren Besuchen in Bremerhaven. Unter den deutschen Repräsentanten wird Hoffnung laut, dass dieser Tag auch das Geschäft mit deutscher Klimatechnologie befördern möge.

Der Tag endet feierlich im Rathaus, wo, wie Bürgermeister Jens Böhrnsen sagt, die Bremer seit über 600 Jahren ihre Gäste empfangen. Der Doyen des Diplomatischen Korps erinnert in einer Dankrede an die Stadtmusikanten, die in Bremen allemal Besseres zu finden hofften, als den Tod. Bundespräsident Horst Köhler betont in seiner Rede, er habe zeigen wollen, „dass wir viel Expertise haben bei diesem Megathema und dass wir sie der ganzen Welt zur Verfügung stellen“. Es sei wichtig weiterzuforschen, wie sich der Klimawandel auf arme Länder auswirke. Gerade die seien für die Probleme schließlich nicht verantwortlich.

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