Klimagipfel : Al Gore geißelt die USA als "Blockierer"

Die heiße Phase der Klimaverhandlungen hat begonnen. Die USA gelten als der große Klimaschutz-Verweigerer. Nun setzt Al Gore die eigene Delegation unter Druck und rechnet mit der Bush-Regierung ab.

Amir El-Ghussein
Al Gore
Auf der Klimakonferenz. Al Gore zeigt auf den größten Bremser der Verhandlungen - die USA. -Foto: AFP

BerlinDie Vereinigten Staaten haben bislang alles daran gesetzt, die Verhandlungen um neue Reduktionsziele auszubremsen. Die Delegation verweist häufig auf wissenschaftliche Unsicherheiten oder fordert einen Beitrag der Schwellenländer zum Klimaschutz. Die Europäer bieten den USA Paroli und fordern ein Abkommen, das klare Emissionsziele und Zeitangaben enthält. Für viele Beobachter überraschend: China und Indien verhalten sehr konstruktiv. Beide Länder haben stark ansteigende CO2-Emissionen. So ist es gelungen, sich mit kleinen Schritten einem Kompromiss anzunähern.

Heute erzielten die Staaten eine Einigung darüber, wie in Zukunft Umwelttechnik in die Schwellen- und Entwicklungsländer gelangen kann. Schon gestern vereinbarten die Diplomaten die Einrichtung eines globalen Fonds, der Entwicklungsländern helfen soll, die Folgen der Erderwärmung zu bewältigen.

Der Anpassungsfonds soll bis 2012 auf ein Volumen von 500 Millionen Dollar steigen. Das entspricht etwa dem Zehnfachen der bislang bereitgestellten Summe. Aus diesem Topf sollen arme Länder Geld für Maßnahmen bekommen, die sie vor den Folgen der Erderwärmung schützen könnten. Es geht zum Beispiel um Katastrophenwarnung, Küstenschutz, flutsichere Häuser und Landwirtschaftsprojekte. Den Fonds soll die an die Weltbank angegliederte Umwelt-Finanzierungs-Institution (GEF) lenken.

Al Gore stellt sein Heimatland an den Pranger

Friedensnobelpreisträger Al Gore hat heute die USA bei der Weltklimakonferenz als Hauptbremser für Fortschritte bei den Verhandlungen kritisiert. Er rief die Teilnehmer auf, sich ungeachtet der US-Position auf klare Ziele für den neuen Weltklimaschutzvertrag zu verständigen. Die Haltung der US-Regierung werde sich nach den Wahlen im nächsten Jahr - und damit vor dem Ende der Verhandlungen über den neuen Klimaschutzvertrag (der 2009 beschlossen werden soll) - ändern.

"Ich spreche jetzt mal eine unbequeme Wahrheit aus", sagte der frühere US-Vizepräsident in Anlehnung an den Titel seines oscargekrönten Klimafilms. "Mein Land ist hauptsächlich verantwortlich dafür, dass Fortschritt hier blockiert wird." Dafür erhielt er kräftigen Applaus.

Optimismus bei den grünen Kämpfern

Schützenhilfe bekommt Al Gore durch die Europäer. Die EU drohte mit der Absage anderer, von den USA angeregten Klimatreffen außerhalb der Vereinten Nationen, falls die Konferenz kein befriedigendes Ergebnis erzielt. Gabriel sagte: "Wenn es kein Ergebnis in Bali gibt, gibt es auch kein Treffen der Länder der großen Wirtschaftsnationen." Diese Klimarunde von 16 Ländern war von den USA angeregt worden. Im September fand ein erstes Treffen in Washington statt, allerdings gab es dabei keine bindenden Ziele.

Aus den Reihen der Umweltorganisationen hört man optimistische Stimmen, dass es ein Mandat, also ein Verhandlungsauftrag, geben wird. "Wir sind zuversichtlich, dass es in der Ministerrunde zu einem Mandat kommt", sagte Stefan Rostock, der Referent von Germanwatch für Klima und Entwicklung. Auch Greenpeace-Experte Carsten Smid bezeichnete eine Übereinkunft mit dem Ziel 25 bis 40 Prozent der Emission bis 2020 zu reduzieren, als möglich. Ein Scheitern der Verhandlungsrunde gilt eher als unwahrscheinlich.

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