Politik : Klimagipfel: Am Ende wird niemand zufrieden sein

Dagmar Dehmer

Die Frist läuft ab. Bis Freitagnacht müssen sich die rund 160 Umweltminister aus aller Welt bei der sechsten Klimakonferenz in Den Haag geeinigt haben, wie sie das so genannte Kyoto-Protokoll umsetzen wollen. Vor drei Jahren hatten sie in Japan entschieden, dass die Industrieländer und Russland von 2008 bis 2012 gemeinsam 5,2 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen gegenüber dem Niveau von 1990 einsparen müssen. Deshalb wird in Den Haag darüber gestritten, ob sie diese Leistungen zu Hause erbringen müssen und was zu den Reduktionen gezählt werden darf. In den zehn Tagen seit Konferenzbeginn hat sich längst Routine eingestellt. Mit dieser Feststellung hatte der Leiter der US-Delegation, Frank Loy, gestern abend auch seine Presskonferenz eröffnet. Er kam nicht weit: Eine junge Frau hatte sich in den Raum geschmuggelt und Loy mit einer Torte beworfen. Loy nahm die Brille ab, lachte, weil him die Sahne über das Gesicht lief, und redete ungerührt weiter. Er hoffe, die Konferenz in Den Haag komme zu einer pragmatischen Lösung, sagte er noch, bevor er die Pressekonferenz - tortenbedingt - dann doch abbrach.

Die Positionen sind so weit voneinander entfernt wie bei den vorhergehenden Konferenzen auch. Die USA etwa haben sich auf ihre Reduktionsverpflichtung (minus sieben Prozent im Vergleich zu 1990) in Kyoto nur deshalb eingelassen, weil das Protokoll genügend Möglichkeiten bot, zu Hause möglichst wenig zu tun. Denn tatsächlich haben die USA ihren Ausstoß von Treibhausgasen gegenüber 1990 sogar um mehr als 25 Prozent erhöht, gibt US-Delegationsleiter Frank Loy unumwunden zu: "In Wirklichkeit müssen wir 35 Prozent reduzieren."

Der Hauptstreitpunkt sind die so genannten Senken. Jede Pflanze kann eine Senke sein, weil sie das wichtigste Treibhausgas, Kohlendioxid (CO2), während ihres Wachstums binden kann. Aber auch der Boden kann eine "Senke" sein, wenn beispielsweise weniger tief gepflügt wird. Die USA hätten folglich gern ihre Wälder und ihre Pflügepraxis auf ihr Reduktionskonto angerechnet. Doch nicht nur die EU, auch die meisten Entwicklungsländer wollen sich auf diesen Handel nicht einlassen.

Ein Streitpunkt ist auch der Emissionshandel. Das Prinzip: Wer mehr CO2 reduziert, als er nach dem Kyoto-Protokoll müsste, kann diese Übermengen an Staaten verkaufen, die ihr Kyoto-Ziel nicht erfüllen können. Wenn es in Den Haag überhaupt eine Einigung geben wird, dann nur, indem die insgesamt 35 Knackpunkte gegeneinander abgewogen werden, und so ein Verhandlungspaket geschnürt wird, mit dem am Ende niemand zufrieden ist.

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