Politik : Klimagipfel: Gipfel in Wolken

Dagmar Dehmer

Die ganze Welt blickt auf Japan. Nur wenn das Land das Klimaschutz-Abkommen beim Bonner Gipfel unterstützt, ist das Kyoto-Protokoll noch zu retten, obwohl die USA den Vertrag inzwischen ablehnen. Kein Wunder, dass jede Äußerung aus Japan mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt wird.

Die japanischen Politiker üben sich jedoch in der Kunst, jedem zu sagen, was er hören will. So hat Ministerpräsident Junichiro Koizumi vor seinem Besuch in Washington noch gesagt, er wolle die USA zur Rückkehr zum Kyoto-Protokoll bewegen. Im Gespräch mit dem amerikanischen Präsidenten hatte Koizumi sich dann fast auf dessen Seite geschlagen. In London gab er sich einen Tag später kämpferisch für das Kyoto-Protokoll, vermied aber jede Festlegung darauf, das Abkommen auch dann zu unterzeichnen, wenn die USA nicht mitmachen.

Den vorläufigen Höhepunkt der wolkigen Formulierungen erreichte die japanische Regierung am Dienstag. Das japanische Außenministerium berichtete von einem Telefongespräch Koizumis mit Bundeskanzler Gerhard Schröder. Koizumi habe Schröder zugesichert, alles für einen Erfolg des Bonner Klimagipfels zu tun. Gleichzeitig wich Koizumis Umweltministerin Yoriko Kawaguchi nach ihrer Ankunft in Bonn weiter aus. Sie gab lediglich zu Protokoll, sie habe ein Verhandlungsmandat. Und die Europäer sollten mehr Flexibilität zeigen.

Japan versucht, Zeit zu gewinnen. Die Frage ist nur: Wozu? Das Land ist von seinem in Kyoto zugesagten Klimaschutz-Ziel - minus sechs Prozent Kohlendioxid (CO2) bis 2012 gegenüber dem Stand von 1990 - meilenweit entfernt. Japan emittiert derzeit gut sechs Prozent mehr CO2 als 1990, und das obwohl die japanische Wirtschaft seit 1997 in der Krise steckt. Der Stromverbrauch, und damit der CO2 Ausstoß, stieg vor allem deshalb an, weil die japanischen Verbraucher eine Vielzahl elektronischer Multimedia-Geräte in Betrieb haben.

Um das Klimaschutzziel doch noch zu erreichen, müsste Japan großen Aufwand betreiben. Deshalb verlangt die Bonner Verhandlungskommission, die japanischen Wälder, die immerhin rund 70 Prozent des Landes bedecken, mit mindestens 3,7 Prozent als CO2 Minderungsbeitrag anzurechnen. Der Präsident der Bonner Konferenz, der niederländische Umweltminister Jan Pronk, hat bereits drei Prozent angeboten. Das Problem: Japan schützt zwar seine Wälder. Aber das Land ist auch ein großer Importeur von Holz, Mitte der 90er Jahre rund 34 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Diese Holzimporte möchte Japan bei seiner Klimabilanz gerne unter den Tisch fallen lassen.

Umweltminister Jürgen Trittin hat am Mittwoch angedeutet, dass er sich womöglich auf einen solchen Kuhhandel einlassen könnte. Der "Neuen Presse" sagte er, das sei "unter Umständen besser, als wenn das gesamte Abkommen scheitert". Ob dieses Entgegenkommen der japanischen Regierung ausreicht, damit "das Land den Mut findet, sich aus der Umklammerung der USA zu befreien", wie Regine Günther, Klimaexpertin des Umweltverbands WWF sagt, entscheidet über den Erfolg oder Misserfolg des Bonner Klimagipfels.

0 Kommentare

Neuester Kommentar