Politik : Klimagipfel in Den Haag: Klimaschutz: Erfolg jetzt - oder das völlige Ende

Annette Birschel

Die Horrorvisionen sind bekannt: Wenn die Erde sich weiter so schnell erwärmt, werden Gletscher schmelzen und Wüsten wachsen. Schon seit mehr als zehn Jahren warnen die Vereinten Nationen und Umweltschützer vor der Klimakatastrophe. Durch den Ausstoß der Treibhausgase wird die Ozonschicht geschädigt, die Erde erwärmt sich und die Meeresspiegel steigen. Dass etwas geschehen muss, darüber sind sich alle einig. Umstritten ist allerdings, was und wie. In Den Haag wird es in dieser Woche auf einer internationalen Konferenz um konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz gehen.

"Es ist der Durchbruch oder Zusammenbruch aller Klimaschutzverträge", warnt der Chef des UN-Klimaschutzbüros, Michael Zammit Cutajar. 1992 unterzeichneten die Staaten in Rio die Klimaschutzkonvention. 1997 wurde im japanischen Kyoto dazu ein Protokoll verabschiedet. Darin versprachen die 160 Vertragsstaaten, von 2008 bis 2012 den Ausstoß der umweltschädlichen Treibhausgase um durchschnittlich 5,2 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Die EU und Japan müssen um acht Prozent reduzieren, die USA um sieben Prozent.

Nur die Industriestaaten sind dazu verpflichtet, denn sie gelten als Verursacher des Problems und produzieren im Jahr pro Kopf der Bevölkerung mehr als zehn Tonnen Kohlendioxid. Wie und wo die Emissionen gesenkt werden sollen, legte das Protokoll nicht fest. Darüber werden die Minister und Experten vom 13. bis 24. November in Den Haag verhandeln. Es geht darum, die Schlupflöcher des Protokolls zu stopfen. So wurde festgeschrieben, dass sich Industriestaaten von ihren Verpflichtungen freikaufen können. Wenn sie etwa in Umweltechnologien in Entwicklungsländern investieren, können sie sich die Senkung des Schadstoffausstoßes als eigene gutschreiben lassen.

Im Protokoll steht auch, dass Industriestaaten sich durch das Anpflanzen von Wäldern auf ihrem Umweltkonto etwas gutschreiben dürfen. Nur ist wissenschaftlich nicht belegt, dass dies wirklich dem Klima etwas bringt. Die Umweltschutzverbände Greenpeace und World Wide Fund for Nature (WWF) sagen sogar, dass das Kyoto-Protokoll Wälder vernichtet. Der größte japanische Stromerzeuger etwa wolle einen Urwald in Australien abholzen und stattdessen die schnellwachsenden Eukalyptusbäume anpflanzen. Diese Bäume bringen COâ-Punkte auf dem japanischen Emissionskonto nach dem Kyoto-Protokoll.

Die Europäische Union, die in Den Haag mit einer Stimme sprechen wird, vertritt die harte Linie. 50 Prozent der Schadstoffemissionen müssen im eigenen Land reduziert werden, wollen die Europäer. Wer sein Ziel nicht erreicht, muss mit Sanktionen rechnen. Dagegen sind die USA, Kanada, Australien und Japan. Mit gutem Grund, denn ihre Schadstoffemissionen sind seit Kyoto drastisch gestiegen. Deutschland kommt dagegen mit fast weißer Weste. Die Bundesrepublik verpflichtete sich, den Kohlendioxidausstoß bis 2005 um 25 Prozent zu vermindern, mehr als im Protokoll von Kyoto festgeschrieben ist. Bisher gelten 18,5 Prozent als erreicht.

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