Klimagipfel in Kopenhagen : Schwellenländer sperren sich gegen Zwei-Grad-Ziel

Vier Tage vor dem Klimagipfel in Kopenhagen rückt ein neues Abkommen in weite Ferne: China, Indien, Brasilien und Südafrika lehnen verbindliche Klimaziele ab.

Bis zum Jahr 2020 wolle Indien den sogenannten Emissionsfaktor um 20 bis 25 Prozent senken, sagte Umweltminister Jairam Ramesh am Donnerstag vor dem Parlament in Neu Delhi. Das bedeute, für jede im Rahmen des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftete Rupie werde gegenüber dem Jahr 2005 künftig ein Viertel weniger umweltschädliches Kohlendioxid ausgestoßen. Ähnliche relative Klimaziele hat vor einigen Tagen schon China bekannt gegeben.

Zugleich machte Ramesh jedoch deutlich, dass die indische Regierung auch weiterhin nicht dazu bereit sei, ein internationales Abkommen mit festen Vorgaben für die Verringerung des CO-Ausstoßes zu unterzeichnen. "Eine solche rechtlich verbindliche Vereinbarung wird Indien niemals akzeptieren", sagte der Minister. Er wird die indische Delegation bei der Klimakonferenz vom 7. bis zum 18. Dezember in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen leiten.

Auch China, Brasilien und Südafrika lehnen verbindliche Emissionsziele für sich ab. Westlichen Diplomaten zufolge haben die vier Schwellenländer im Vorfeld des Klimagipfels in einem gemeinsamen Positionspapier zudem deutlich gemacht, dass sie eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal zwei Grad nicht als gemeinsame Messlatte anerkennen.

"Sie wollen im Entwurf für Kopenhagen unter der Überschrift einer gemeinsamen Vision überhaupt keine Zahlen stehen haben", erklärte ein Diplomat. China, Indien, Brasilien und Südafrika würden es auch ablehnen, dass der weltweite Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid im Jahr 2020 seinen Höhepunkt erreicht haben soll. Mit ihrer Position würden die vier Staaten die Verhandlungen im Vorfeld des Klimagipfels in der dänischen Hauptstadt erheblich erschweren, betonte ein anderer Diplomat.

Noch vor den USA und Russland ist China der weltweit größte Verursacher von CO-Emissionen. Indien ist der viertgrößte Luftverschmutzer. Dennoch wollen die Schwellenländer nicht die gleichen Verpflichtungen im Kampf gegen den Klimawandel eingehen wie die reichen Industriestaaten. Letztere hätten in der Vergangenheit deutlich mehr CO verursacht und würden damit eine deutlich größere Schuld am Klimawandel tragen, lautet ihr Argument.

Diese Position schlägt sich auch in den Verhandlungen nieder. China und Indien fordern, dass die reichen Länder ihre Emissionen bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Damit unterscheiden sie sich erheblich von den Vorschlägen der USA. Ein Plan von US-Präsident Barack Obama sieht eine Verringerung in diesem Zeitraum von drei Prozent vor – und zwar für alle Staaten gleichermaßen. Die Europäische Union ist zu einer Senkung von 20 Prozent, maximal 30 Prozent bereit. Deutschland bietet 40 Prozent.

Daneben gibt es weitere Streitpunkte zwischen den Ländergruppen. Einer davon dreht sich um die finanziellen Hilfen der reichen Staaten an die Schwellen- und Entwicklungsländer, die von den Folgen des Klimawandels künftig härter getroffen werden dürften.

Auf dem Klimagipfel, der vom 7. bis 18. Dezember in Kopenhagen stattfindet, sollte ursprünglich ein rechtlich bindendes Nachfolgeabkommen für das auslaufende Kyoto-Protokoll ausgehandelt werden. Angesichts der politischen Auseinandersetzung um die Zielvorgaben sowie klammer Haushaltskassen vieler Staaten im Zuge der Wirtschaftskrise, sinken die Chancen dafür aber zusehends.

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters, dpa

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