Politik : Klimagipfel: Kleine Erfolge auch ohne Klima-Abkommen

Dagmar Dehmer

Abseits von der großen Klima-Diplomatie im Vorfeld des Gipfels in Bonn kommende Woche weist das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) auf viele freiwillige Beiträge zum Klimaschutz hin. Diese leisteten "einen kleinen aber sichtbaren Beitrag zur Einsparung von klimaschädlichen Abgasen", stellt die Unep fest. Dabei lobt Unep-Direktor Klaus Töpfer vor allem die Industrie. Energieversorger, die bei der Stromerzeugung von Kohle auf Gas umsteigen, sparen dadruch bedeutende Mengen Kohlendioxid (CO2) ein. Und da Gas-Kraftwerke derzeit die effizientesten Anlagen zur Stromerzeugung sind, steigen viele bei der Erneuerung alter Kraftwerke nun auf Erdgas um.

Zum Thema Rückblick: Der gescheiterte Klimagipfel in Den Haag Die Weltenergie-Organisation (WEC) hat eine Vielzahl solcher CO2 Einsparprojekte in ihrer Datenbank registriert. Allein die hier aufgeführten Energiesparprojekte erbringen eine Einsparung von rund einer Milliarde Tonnen CO2 bis 2005. Neben effizienteren Kraftwerken werden in der WEC-Datenbank aber auch Initiativen von Regierungen aufgeführt. Beispielsweise hat Finnland begonnen, Biogaskraftwerke im ländlichen Raum zu fördern. Die Niederlande wiederum fördern - wie Deutschland auch - den Bau von Solar-Thermie-Anlagen zur Warmwassererzeugung in Wohnhäusern.

Deutschland ist in der WEC-Datenbank mit immerhin 21 Projekten verzeichnet. Zum Beispiel mit der bisher recht erfolgreichen Selbstverpflichtung der Industrie zum Klimaschutz, die im vergangenen Jahr mit anspruchsvollen Zielen bis 2005 verlängert worden ist. Sie allein soll in diesem Fünf-Jahreszeitraum eine CO2 Einsparung von 10,6 Millionen Tonnen erbringen. Oder auch mit dem Klimaschutzprogramm der Regierung, mit dem die Wärmeisolierung von Häusern verbessert werden soll. Genannt ist aber auch ein Projekt, das Güterverkehr auf die Schiene bringen soll. Warum allerdings der Neubau eines Starkstromkabels zwischen Skandinavien und Deutschland oder der Verzicht auf das nie in Betrieb genommene Atomkraftwerk Mühlheim-Kärlich ihren Weg in die WEC-Liste gefunden haben, lässt sich nicht recht nachvollziehen.

Elena Virkkala Nekhaev von der Weltenergie-Organisation findet die Vielzahl regionaler Anstrengungen zum Klimaschutz jedenfalls ermutigend. Auch ohne das Kyoto-Protokoll würden bis 2005 rund sechs Prozent der jährlichen Kohlendioxid-Emissionen durch solche Projekte in aller Welt reduziert, sagt sie. "Die Annahme, dass ohne eine Einigung über ein Klimaschutzabkommen nichts passiert, ist falsch", sagt sie. Allerdings schränkt Klaus Töpfer ein, dass diese vereinzelten Projekte nur einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz leisten könnten. Hoffnungsfroh stimmt ihn jedoch, dass sowohl in China als auch in der USA, trotz aller Härte in den Verhandlungen, bereits reale Anstrengungen unternommen werden, die Erdatmosphäre zu schützen.

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