• Klimagipfel: Klima über Bord: Mit einem Rettungsboot wollen Umweltschützer dem Gipfel helfen - doch Bush will sich lieber treiben lassen

Politik : Klimagipfel: Klima über Bord: Mit einem Rettungsboot wollen Umweltschützer dem Gipfel helfen - doch Bush will sich lieber treiben lassen

Ulrike Fokken

Es geht auch um Bäume bei der Klimakonferenz. Die Delegierten der 35 verhandelnden Staaten streiten sich über Bäume und Wälder und wie diese so genannten Senken auf die Kohlendioxid-Emissionen der Staaten angerechnet werden können: Sollen sich die Staaten auf Obergrenzen der CO2 Tonnagen festlegen? Die Senken für jedes Land einzeln berechnen? Oder bestimmte Kriterien aufstellen, was eine Senke überhaupt ist? Mehrere Klafter Holz verbrauchen die Organisationen der Klimakonferenz selbst. Mit jedem Tag, den die Staaten sich nicht einigen können, schrumpft der Wald. Als DIN-A-4 Blatt rauscht er durch die Kopiermaschinen und verbreitet die Nichteinigung, die strittigen Verhandlungsprotokolle der Nacht, die schon wenige Stunden später hinfällig sein können. Die stolze Menge von einer Million Blatt Papier brauchen die Mitarbeiter der UN-Pressestelle, um die Konferenzteilnehmer aus 180 Ländern täglich zu informieren.

Um Bäume geht es auch auf der Straße. Die Aktivisten der Umweltschutzgruppen BUND und Friends of the Earth haben aus 2000 Brettern und mehreren hundert Planken ein Boot gebaut. Mit dem "Rettungsboot für den Klimavertrag" sind sie am Samstag aus der Bonner Innenstadt bis zum Konferenzzentrum gezogen. Die Umweltschützer und die rund 4000 Demonstranten durften damit wenigstens von der Straße aus den Verhandlungsführern ihre Meinung sagen. Wenn auch in etwas verkürzter Form. Denn die Kritik an den zeitgleich verhandelnden Ministern und vor allem am Präsidenten der Klimakonferenz, dem niederländischen Umweltminister Jan Pronk, ist stark. "Pronk hat die NGO (Nichtregierungsorganisationen - die Red.) bewusst ausgeschlossen, um so überhaupt noch zu einem Ergebnis zu kommen", sagt Daniel Mittler, Referent für internationale Umweltpolitik beim BUND. Nur wenn "die Minister untereinander ungestört kungeln können", so hoffe Pronk, würden sie in den nächsten Tagen zu einem Ergebnis kommen.

Bei der letzten glücklosen Klimakonferenz in Den Haag im November 2000 konnten die NGO bei fast allen Sitzungen der Arbeitsgruppen und Plenarsitzungen zuhören. In Bonn sind alle Sitzungen "closed" wie auf den Monitoren zu lesen ist, eine geschlossene Veranstaltung. Dennoch: "Deutschland spielt eine positive Rolle bei den Verhandlungen", sagt Mittler. Mit anderen Worten: Umweltminister Jürgen Trittin versucht, das Beste für die Umwelt und das Klima herauszuholen. Und er gibt den Umweltschutzgruppen die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. "Die Deutschen haben die stringenteste Linie", lobt sogar Stefan Schurig von Greenpeace.

Trittin hat bei dem schwedischen Umweltminister nach eigenen Worten eine "beinharte Haltung" zur Atomkraft entdeckt, "sehr angenehm", wie er findet. So sind sich die EU-Staaten mittlerweile alle einig, dass Atomenergie keine Chance bekommt, als CO2 Minderer in den Vertrag aufgenommen zu werden. "Es gibt keinen Kompromiss für Nuklearenergie", sagte EU-Verhandlungsführer Olivier Deleuze.

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