Klimagipfel : Lexikon der Verhandlungen

Anpassung:

 Die globale Erwärmung ist bereits in vollem Gang. Und selbst ein sehr ambitioniertes Klimaabkommen würde die menschengemachten Treibhausgasemissionen nicht sofort auf null senken. Das heißt, dass sich alle Regionen der Welt an die neuen Klimabedingungen anpassen müssen. In Deutschland geht es vor allem um höhere Dämme an der Nordseeküste, besseren Hochwasserschutz rund um die großen Flusssysteme und die Anpassung an lange Trockenphasen und noch geringere Niederschläge vor allem in Ostdeutschland. Am stärksten davon betroffen ist Brandenburg. In Bangladesch, das von den schmelzenden Gletschern des Himalayagebirges ebenso bedroht ist, wie vom steigenden Meeresspiegel, bedeutet Anpassung die Schaffung von sicheren Notunterkünften, die Menschenleben retten können, wenn es zu einer Wetterkatastrophe wie einem Zyklon oder einer Überschwemmung kommt. Im südlichen Afrika müssen trockenresistente Nahrungsmittelpflanzen angebaut werden. Fast überall in Afrika müssen die Bewässerungstechniken verbessert werden.

CDM/JI: Clean Development Mechanism und Joint Implementation erlauben es Firmen, die am europäischen Emissionshandel teilnehmen, Treibhausgase über Investitionen in Entwicklungsländern (CDM) oder Transformationsökonomien (Osteuropa) zu reduzieren. Baut beispielsweise ein Energiekonzern eine Windkraftanlage in Kenia, kann er dafür Emissionszertifikate bekommen, die er selbst nutzen oder im europäischen Emissionshandel weiterverkaufen kann.

Emissionshandel: In der Europäischen Union gibt es seit 2005 eine Obergrenze für den Kohlendioxidausstoß großer Industrieanlagen (Cap). Die am Handel beteiligten Firmen bekommen entweder kostenlos Emissionszertifikate zugeteilt, oder sie müssen sie ersteigern. Reichen ihnen ihre Zertifikate nicht aus, müssen sie CO2-Erlaubnisse zukaufen. Schaffen sie es jedoch bei ihrer Prouktion deutlich weniger Energie zu verbrauchen, können sie Zertifikate verkaufen (Trade). So sollen die Klimaschutzmaßnahmen wirtschaftlich werden, die den größten Nutzen und die geringsten Kosten haben.

Finanzierung: Die Entwicklungsländer, die am stärksten unter den Folgen des Klimawandels leiden, rechnen von 2020 an mit jährlichen Kosten von rund 100 Milliarden Dollar für die Anpassung an den Klimawandel und den Umbau ihrer Ökonomien für eine kohlenstoffarme Zukunft. Zahlen sollen dafür die Industriestaaten. Wie das Geld aufgebracht werden kann und soll, ist umstritten. Ein Großteil soll aus dem Kohlenstoffmarkt kommen. Es gibt aber großen Streit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, wer diese Mittel verwalten soll.

LULUCF/REDD: Unbestritten haben Landnutzungsänderungen (Land Use, Land Use Change and Forestry)und die Abholzung von Regenwäldern einen dramatischen Einfluss auf den globalen Treibhausgasausstoß. (Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft). Deshalb soll als Teilelement eines Kopenhagenvertrags ein Waldabkommen ausgehandelt werden (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation). Dabei sollen Industrieländer waldreiche Entwicklungsländer dafür entschädigen, dass diese ihre Wälder nicht abholzen. Gestritten wird noch darüber, ob Wälder in den Emissionshandel einbezogen werden sollen. Das hätte zur Folge, dass die Preise für Emissionszertifikate so tief fallen würden, dass jeder Anreiz für Klimaschutz in den Industrieländern entfiele. Deshalb plädieren viele dafür, eine Finanzierung unabhängig vom Kohlenstoffmarkt anzustreben. Brasilien und Indonesien setzen sich dafür ein, vor allem geringere Entwaldungsraten zu belohnen. Da sie die höchsten Waldverluste haben, würde sie das gegenüber Nationen besser stellen, die ihre Wälder heute schon besser schützen.

Reduktion von Treibhausgasen: Alles, was zu einem geringeren Treibhausgasausstoß beiträgt gilt im Verhandlungsjargon als Mitigation. Für die Industriestaaten bedeutet das vor allem einen schnellen Umbau ihrer Ökonomien auf einen kohlenstoffarmen Pfad. Bis 2050 müssen die Industrienationen nahezu kohlenstofffrei ihre Energie erzeugen, heizen und sich fortbewegen. Für Waldnationen bedeutet Mitigation vor allem die Erhaltung ihrer Regenwälder. Allein deren Abholzung trägt gegenwärtig 20 Prozent zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei. Mitigation bedeutet aber auch, Infrastrukturinvestitionen beispielsweise in die Stromversorgung von vornherein nicht für die Verbrennung von Kohle auszugeben, sondern gleich auf erneuerbare Energieträger zu setzen. Das ist vor allem für Länder wie beispielsweise Indien relevant, wo noch immer eine halbe Milliarde Menschen keinen Stromanschluss hat.

Technologietransfer: Die Entwicklungsländer wollen sich nur dann auf eigene Begrenzungen ihres Kohlendioxidausstoßes einlassen, wenn sie neben Geld dafür auch Zugang zu Technologien bekommen. deh

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