Politik : Klimagipfel: Mehr Autos, mehr Schadstoffe - weniger Geld

Malte Lehming

George W. Bush war schon im Flieger nach Europa, als folgende Meldung durch die US-Presse ging: Fast zeitgleich mit dem Beginn der Klimakonferenz in Bonn wurde in der amerikanischen Hauptstadt eine Abgas-Spezialeinheit gebildet. Sie soll einen Dringlichkeitsplan dafür ausarbeiten, wie sich die Auto-Abgase erheblich reduzieren lassen. Denn die Lage ist ernst. Jahr für Jahr fahren durch Washington immer mehr Autos, die immer größer sind und immer mehr Benzin verbrauchen. Wenn allerdings in den nächsten zweieinhalb Jahren nicht insbesondere der Ausstoß von Stickstoffoxyden, die Smog verursachen, drastisch gesenkt wird, werden der Stadt alle Bundesmittel für Verkehrsprojekte gesperrt.

Schon kursieren die ersten Ideen: Das U-Bahn-Netz soll ausgebaut und modernisiert, Parkplatzflächen am Stadtrand vergrößert und Parkgebühren in der Innenstadt deutlich erhöht werden. Das Verschmutzungsproblem ist dermaßen groß, dass die Spezialeinheit aufgefordert wurde, bis spätestens September zu verbindlichen Beschlüssen zu kommen. Die US-Bundesregierung bindet die Auszahlung von Infrastrukturmitteln an die Einhaltung von Obergrenzen bei der Luftverschmutzung. Um innerhalb dieser vorgegebenen Maße zu bleiben, hat die Stadt Washington eigene Grenzwerte für den Automobilverkehr erlassen. Bislang jedoch konnte der Trend nicht gestoppt werden. "Sorge macht uns vor allem, dass die beliebtesten Autos immer größer werden", sagt Phil Mendelson, Leiter der Spezialeinheit. Bedenklich sei ebenfalls, dass die U-Bahnen die Grenzen ihrer Kapazität erreicht hätten. Sicher sei nur eins, sagt Mendelson: "Wenn wir nicht schnell und entschieden handeln, gerät die Lage außer Kontrolle." Auch diesen Satz hat Bush leider nicht mehr gehört.

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