Politik : Klimagipfel: Trittin erwartet keinen Erfolg bei Klimakonferenz

Zum Auftakt des Klima-Gipfels in Bonn hat Bundesumweltminister Jürgen Trittin ein Scheitern der Konferenz nicht ausgeschlossen. "Es wird sehr schwierige Verhandlungen geben, und es kann sein, dass das Unternehmen scheitert", sagte der Grünen-Politiker am Montag im ARD-Morgenmagazin. Politiker und Umweltverbände warnten vor zu großen Kompromissen, die das Abkommen verwässern würden.

Der Gipfel begann am Montag zunächst informell unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Hauptziel ist es, trotz des Ausstiegs der USA das Kyoto-Protokoll von 1997 zu retten. Es sieht vor, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2012 weltweit um 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken.

Im Potsdamer Radio Eins sagte Trittin, er gehe davon aus, dass die US-Regierung das Protokoll nicht ratifizieren würden. Um so wichtiger sei die Zustimmung Japans und Russlands. Der Leiter der deutschen Delegation, Carsten Sach, sagte im WDR, ohne die Zustimmung der USA als größtem Emittenten sei das Klimaproblem langfristig nicht zu lösen. "Wir gehen aber davon aus, dass die USA später in den internationalen Zug zurückkehren."

Der Chef der UN-Umweltbehörde, Klaus Töpfer, sagte in der "Leipziger Volkszeitung", trotz geringer Wahrscheinlichkeit einer abschließenden Akzeptanz des Kyoto-Protokoll seien Fortschritte nicht unrealistisch. Auf alle Fälle müsse aber vermieden werden, dass "ein indirektes Signal an die Wirtschaft" ausgehe, dass Klimaschutz nicht mehr ernst genommen werde.

Kritik am Kyoto-Protokoll äußerte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller. Es bleibe weit hinter dem zurück, was zum Schutz der Erdatmosphäre notwendig sei.

Der Wuppertaler Klimaforscher Hermann Ott forderte im Bayerischen Rundfunk, Deutschland solle das Protokoll ratifizieren, falls der Gipfel scheitere. Zudem wandte er sich gegen das verbreitete Vorurteil, Klimaschutz sei teuer. 35 bis 45 Prozent aller Emissionen könnten kostengünstig oder fast ohne Kosten gesenkt werden und seien zudem ein großartiges Ankurbelungsprogramm für die Wirtschaft.

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