Klimakonferenz : Breite Kritik: Ergebnisse von Bali sind enttäuschend

Ein "gigantisches Versagen der Weltgemeinschaft" - so nennt der deutsche Umweltstaatssekretär Michael Müller das Ergebnis der Weltklimakonferenz auf Bali. Vor allem die USA werden als Blockierer kritisiert. Angela Merkel sprach dagegen von einem "großen Erfolg".

BerlinDas Ergebnis der Weltklimakonferenz auf Bali findet in Deutschland nur wenig Lob. "Die Konferenz ist nicht gescheitert, sie ist aber auch kein Erfolg", sagte der Grünen-Bundesvorsitzende Reinhard Bütikofer. "Die internationale Staatengemeinschaft versagt im Kampf gegen den Klimawandel", kritisierte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Hubert Weiger.

Nach einem dramatischen Ringen hatten 187 Länder auf der Konferenz den Startschuss für Verhandlungen zu einem neuen Weltklimavertrag gegeben. Mit dem Bali-Aktionsplan soll dieser Vertrag bis Ende 2009 unter Dach und Fach sein. Konkrete Ziele für die Minderung der Treibhausgase wurden vor allem auf Drängen der USA aber nicht festgelegt.

Vorwürfe an Russland und die USA

"Schaut man sich an, woher wir kommen, ist das ein Riesenschritt nach vorne", bilanzierte der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel (SPd) in der ARD. "Schaut man sich's an von der Perspektive, was nötig wäre, ist das unzureichend." Dennoch seien zum ersten Mal alle Industrieländer zu Verhandlungen über die Reduzierung der Treibhausgase verpflichtet worden. Und zum ersten Mal hätten auch alle Entwicklungsländer Klimaschutz-Ziele akzeptiert. Diese Erfolge seien auch das Resultat der "riskanten deutschen und europäischen Verhandlungsstrategie", sagte Gabriel im Tagesspiegel.

Dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel nur unzureichend in das Abschlussprotokoll aufgenommen wurden, lastet Gabriel den USA und Russland an. "Das ist jetzt nur indirekt der Fall. Das ist gescheitert am Widerstand der Vereinigten Staaten und Russlands", sagte der in der "Bild"-Zeitung.

Gabriels Staatssekretär Michael Müller sprach von einem "Trauerspiel" und sah ein "gigantisches Versagen der Weltgemeinschaft". Dagegen hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Wochenende von einem "großen Erfolg" gesprochen. "Ich bin fest davon überzeugt, dass sich das Mandat von Bali schon bald als wegweisend und weichenstellend erweisen wird."

"Aus deutscher Sicht das Maximum"

Der Klima-Berater der Bundesregierung, Hans Joachim Schellnhuber, sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Das war aus deutscher und europäischer Sicht das Maximum, was die Konferenz rausholen konnte." Der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" sagte Schellnhuber: "Mit Bali sind die Chancen deutlich gestiegen, dass bis 2009 ein Ergebnis erzielt werden kann."

Enttäuscht reagierte auch das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor. Der Abteilungsleiter Entwicklungspolitik, Bernd Bornhorst, kritisierte die ungenauen Aussagen über die Reduktion der Treibhausgase. "Angesichts der Dramatik des Klimawandels und der schon jetzt spürbaren Auswirkungen für die Menschen im Süden ist das den Betroffenen nicht zu vermitteln und verursacht Wut und Angst vor der Zukunft."

"Menschenrechtsverletzung durch die Blockierer"

Der Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, Prof. Peter Hennicke, sprach von "Menschenrechtsverletzung durch die Blockierer im Weißen Haus". Das Verhalten der Bush- Regierung werfe die Weltgemeinschaft um fünf bis zehn Jahre zurück, "und die werden uns fehlen, wenn es nachher darum geht, wer die Schäden bezahlen soll", sagte er der Essener "Neuen Rhein/Neuen Ruhr Zeitung". (svo/dpa/ddp)

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