Politik : Klimaschutz bei G-8-Gipfel: Deutschland als Bremser?

Dagmar Dehmer

Berlin - Einen Durchbruch zum Thema Klimawandel erwarten beim Gipfel der sieben wichtigsten Industrienationen und Russland (G 8) Anfang Juli im schottischen Gleneagels nur unverbesserliche Optimisten. Trotz aller Bündnistreue im Irak hat der Präsident der USA, George W. Bush, dem britischen Premierminister Tony Blair unmissverständlich klar gemacht, dass er die globale Erwärmung nicht für ein wichtiges Thema hält. Im G-8-Gipfel-Papier wollte sich Bush nicht einmal darauf einlassen, festzustellen, dass der Klimawandel bereits Wirkung zeigt. Trotzdem ist Bush zum ersten Mal seit dem Ausstieg der USA aus dem Klimaschutzabkommen von Kyoto bei diesem Thema unter Druck geraten.

Neben einer wachsenden Zahl von US-Staaten und Städten, die sich selbst verbindliche Klimaschutzziele geben, scheint sich auch die Stimmung im Senat zu wenden. Vor drei Tagen stimmte der Senat einer Resolution zu, in der die Zusage eines verbindlichen Klimaziels als erstrebenswert bezeichnet wird. Doch nun scheint ausgerechnet den Deutschen, die bei Verhandlungen zum Schutz des Klimas stets eine wichtige Rolle gespielt haben, der Atem auszugehen. In Kreisen der britischen G-8-Präsidentschaft gibt es wegen des Zerwürfnisses zwischen Blair und Bundeskanzler Gerhard Schröder um die EU-Finanzen leichte Zweifel an den Deutschen. Dazu kommt, dass der deutsche Sherpa, Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach, nach dem gescheiterten EU-Gipfel zwar eine „konstruktive Rolle“ beim G-8-Gipfel versprochen hat. Allerdings hat er offenbar einen Vorschlag Frankreichs nicht unterstützt, das von der EU bereits beschlossene langfristige Klimaschutzziel – die Erde darf sich nicht mehr als zwei Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung erwärmen – in das Gipfelpapier einzuarbeiten. Eine Stellungnahme aus dem Wirtschaftsministerium ist dazu allerdings nicht zu erhalten. Man wolle der Schlussfassung des Papiers nicht vorgreifen, heißt es dort. Umweltschützer, wie die Klimachefin des World Wide Fund for Nature (WWF), Jennifer Morgan, hoffen jedoch, dass Schröder in Gleneagels im Sinne des Klimas verhandeln wird. Schon um den Druck auf den amerikanischen Präsidenten nicht kleiner werden zu lassen.

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