Klimaschutz : Himmlische Pläne

Britische Klimaexperten fordern Beschränkungen für den Flugverkehr - und setzen damit die britische Regierung unter Druck, ihre Klimapolitik zu verschärfen.

Matthias Thibaut[London]
Landung Foto: ddp
Fliegen ist nicht immer schöner - zumindest nicht fürs Klima. Das britische Klimakomitee fordert eine schärfere Gangart im Kampf...Foto: ddp

Kein Politiker könne es wagen, der Vielfliegernation Großbritannien den Spaß am Fliegen zu verderben, warnte einst der ehemalige britische Premierminister Tony Blair. Nun hat das einflussreiche britische Klimakomitee die Regierung aufgefordert, genau das zu tun. Unmittelbar zuvor hatte der britische Außenminister David Miliband vor einem Scheitern der Klimaverhandlungen am Ende des Jahres in Kopenhagen gewarnt.

Globale Beschränkungen für den Flugverkehr müssten Teil des Kopenhagener Abkommens werden, schrieb das „Climate Change Committee“ (CCC) in einem Brief an die britischen Minister für Verkehr und Klimaschutz. Anderenfalls müsse der Flugverkehr Teil nationaler Klimapläne der Industrienationen werden. Für Großbritannien würde das bedeuten, dass bis 2050 der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) um 90 Prozent reduziert werden müsste.

Das regierungsunabhängige Komitee kontrolliert nach dem britischen Klimagesetz den „Emissionshaushalt“ im Königreich. Als Gesamtziel fordert das CCC nun bis 2050 die Reduzierung des globalen Flugverkehrs auf das Emissionsniveau von 2005 – durch umweltfreundlichere Flugzeuge und eine Senkung der Nachfrage. Ohne Sondermaßnahmen werde der Flugverkehr 2050 ein Viertel der globalen Treibhausgase produzieren, warnte das CCC.

„Höhere Flugpreise müssen die CO2-Kosten widerspiegeln. Die Ära, in der jede Generation mehr fliegen konnte als die vorhergehende, ist vorbei“, sagte der Direktor der Behörde, David Kennedy. Das CCC fordert auch eine striktere Umsetzung der EU-Beschlüsse, wonach der Flugverkehr ab 2012 in den Emissionshandel einbezogen werden soll. Um Sonderprofite aus Quotenzuteilungen zu vermeiden, sollten alle Zertifikate versteigert werden. Brüssel plant lediglich die Versteigerung von 15 Prozent der Zertifikate. Laut CCC sind Zuteilungsquoten unnötig, da es in der Industrie keine Abwanderungsgefahr gibt. „Ein Flug von New York nach London kann nicht anderswo produziert werden“, argumentieren die Experten. Milliardeneinnahmen aus der Versteigerung der Zertifikate könnten nach den Vorstellungen des CCC in die Energieversorgung in den Schwellenländern oder in die Entwicklung umweltfreundlicherer Flugzeuge investiert werden.

Der Brief setzt die britische Regierung unter Druck, ihre Klimapolitik zu verschärfen. Insbesondere steht die Empfehlung im Widerspruch zum Regierungsbeschluss, eine dritte Landebahn beim Flughafen Heathrow zu bauen.

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