Politik : Klimaschutz: Jürgen Trittin wirbt in USA für Kyoto-Protokoll

Bundesumweltminister Jürgen Trittin will die USA mit wirtschaftlichen Argumenten doch noch für den Klimaschutz gewinnen. Mit diesem Vorhaben ist Trittin (Grüne) am Montag in Washington in ein Gespräch mit der Leiterin der US-Umweltschutzbehörde, Christie Whitman, gegangen. Die Absage Washingtons an das 1997 ausgehandelte Klimaschutzprotokoll von Kyoto hatte weltweit Empörung ausgelöst.

Die Annahme, ökonomische Interessen stünden dem Klimaschutz grundsätzlich im Wege, sei falsch, sagte Trittin in New York. Deutschland habe bewiesen, dass die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen trotz hoher Umweltauflagen steigen könne.

Zum Thema Rückblick: Der gescheiterte Klimagipfel in Den Haag Whitman sagte am Sonntag in Washington, die US-Regierung werde bis Ende Mai eigene Vorschläge zum Klimaschutz vorlegen. "Präsident Bush ist sehr klimabewusst", versicherte sie in einem Fernsehinterview. Die Energiekrise in den USA erlaube jedoch zurzeit keine Auflagen für die Kraftwerke. Die CO2 Emissionen zu verringern, würde die Stromkosten in die Höhe treiben. "Wir wollen, dass unsere Bürger eine sauberere Umwelt haben, aber auch den Lebensstandard, um diese Umwelt zu genießen", sagte die Leiterin der Umweltbehörde. Die US-Regierung will dennoch an der Klimakonferenz im Juli in Bonn teilnehmen, bei der über die Umsetzung des Kyoto-Protokolls beraten wird.

Trittin hatte zusammen mit Ministerkollegen aus 39 der wichtigsten Industrieländer am Wochenende in New York ein klares Bekenntnis zum Klimaschutzprotokoll von Kyoto abgelegt. Washington stand dabei jedoch abseits.

Die Auflage, die Treibhausgas-Emissionen bis 2012 um rund 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken, sei unrealistisch, argumentiert die US-Regierung. Außerdem müssten die amerikanischen Kraftwerke mit voller Kraft und ohne behindernde Auflagen produzieren können, um den Strombedarf zu sichern. In Kalifornien war wegen akuter Engpässe in diesem Jahr schon mehrmals der Strom abgestellt worden. "Präsident Bush fand eine Energiekrise vor, die schlimmer war als gedacht", sagte Whitman. Kalifornien sei erst die Spitze des Eisbergs.

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