Klimaschutz : Mexiko führt beim Umbau der Wirtschaft

Die Umweltorganisation E3G hat untersucht, wie Wirtschaftssysteme der G-20-Staaten auf eine kohlendioxid-arme Zukunft vorbereitet sind. Mexiko liegt vorn, Deutschland ist auf dem richtigen Weg.

Dagmar Dehmer

Berlin - Unter den Europäern macht sich die Sorge breit, dass der Weltklimagipfel im Dezember in Kopenhagen scheitern könnte. Anfang der Woche warnte der britische Außenminister David Miliband, dass die Zeit für ein rechtlich verbindliches Klimaabkommen knapp werde. Am Donnerstag sagte der eben wiedergewählte EU-Kommissionschef José Manuel Barroso mit Blick auf den G-20-Gipfel in Pittsburgh, davon müsse „eine Botschaft an die Entwicklungsländer“ ausgehen, dass die Industriestaaten sie nicht alleine ließen. Mit Blick auf die USA betonte er: „Wenn wir damit scheitern, einen weltweiten Kohlendioxid-Markt einzurichten, wird es schwieriger, Emissionen zu beschneiden und den Kampf gegen den Klimawandel zu finanzieren.“ Die Kommission veranschlagt den Finanzbedarf der Entwicklungsländer bis 2020 jährlich auf 100 Milliarden Euro.

Derweil hat die Umweltorganisation E3G untersucht, wie Wirtschaftssysteme der G-20-Staaten auf eine kohlendioxid-arme Zukunft vorbereitet sind. Sie ließ die Beratungsfirma Vivid Economics Analysis drei Indizes erarbeiten, die auf diese Frage Antworten liefern sollen. Anhand von 20 Faktoren haben die Autoren der Studie die Wettbewerbsfähigkeit der Ökonomien mit Blick auf den CO2-Ausstoß bewertet, zudem haben sie errechnet, wie erfolgreich die Staaten bisher in der Lage sind, ihre Kohlenstoffintensität zu senken, und außerdem, ob sie dabei schnell genug vorankommen.

In dieser Klimagewichtung der Ökonomien schneidet Deutschland alles in allem nicht schlecht ab. Einmal belegt es sogar den ersten Platz, beim Punkt Verbesserung auf dem Weg in eine kohlenstoffarme Wirtschaft. Aber auch Deutschland ist zu langsam, um das Klimaschutzziel zu erreichen, die globale Erwärmung auf höchstens zwei Grad im Vergleich zu zum Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. Lediglich Mexiko und Argentinien sind dazu derzeit in der Lage. Allerdings folgen China, Südafrika, Deutschland und Großbritannien mit Werten, die zwar noch einige Anstrengungen erfordern, aber erreichbar sind, folgern die Autoren.

Bei der Klima-Wettbewerbsfähigkeit schneidet Frankreich am besten ab, gefolgt von Japan, Großbritannien, Südkorea und Deutschland. Am schlechtesten stehen Indonesien, Saudi-Arabien und Indien da. Saudi-Arabien liegt zudem bei der Kohlenstoffintensität seiner Wirtschaft ganz hinten, weil das Land den Kohlendioxidausstoß gemessen an der Wirtschaftsleistung in den vergangenen Jahren sogar noch dramatisch erhöht hat. Interessant ist der Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit aus Klimasicht mit der aus Sicht des Weltwirtschaftsforums. Während das Weltwirtschaftsforum die USA auf Platz eins sehen und Deutschland auf dem zweiten, belegen die USA beim Klimawettbewerbsranking nur den zehnten Platz, Deutschland kommt auf den fünften. 

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