Politik : Klimaveränderung: UN warnt vor den Folgen schmelzender Eisflächen

Ein drastisches Auftauen der Böden im Nordpolargebiet kann zur Beschleunigung der globalen Klimaerwärmung beitragen. Davor haben Wissenschaftler am Mittwoch auf dem Globalen Umweltminister-Forum des UN-Umweltprogramms (UNEP) in der kenianischen Hauptstadt Nairobi gewarnt. Durch das Auftauen der gefrorenen Böden werden demnach bislang eingeschlossene Gase in die Atmosphäre abgegeben, die den Treibhauseffekt vorantreiben. Rund 14 Prozent des weltweit ausgestoßenen Kohlenstoffs lagerten sich in den vergangenen Jahrhunderten nach Kenntnissen der UNEP-Forscher im Bodenfrost des Nordpolargebietes ein.

"Der Bodenfrost funktioniert wie ein Kohlenstoff-Auffangbecken. Er hat Kohlenstoff und andere Treibhausgase wie Methan über 1000 Jahre aufgefangen. Das ist nun vorbei. Stattdessen schmilzt der Frost und setzt die Gase frei", sagte Svein Tveitdal, Direktor des UNEP- Informationszentrums Arendal in Norwegen, das das Auftauen der Arktis beobachtet. Die Erwärmung des arktischen Bodens, das Auftauen und somit seine Aufweichung habe auch Auswirkungen auf Straßen und Gebäude in der Region. Nach Studien der Universität von Alaska in Fairbanks ist dadurch die Belastungskapazität des Bodens um 70 Prozent verringert worden. In einigen Bereichen Sibiriens seien bereits, bedingt durch das Nachlassen des Untergrunds, zahlreiche Gebäude beschädigt.

Dem Umweltschutzprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) fehlen ausreichende Finanzmittel. Dies war beim Auftakt der 21.-UNEP-Ministerkonferenz in Nairobi eines der brisantesten Themen. UNEP-Direktor Klaus Töpfer rief die 83 teilnehmenden Umweltminister dazu auf, die Grundlagen für globalen Umweltschutz zu schaffen. TEXT: Formale Fragen standen am Beginn der bis Freitag dauernden Umweltgipfels. Doch eine Streitfrage stellt sich rasch heraus: die nach den Finanzen. "Geben Sie uns die Grundlagen für unsere Arbeit, aber bitte auch die Ressourcen dafür", forderte Töpfer in der Eröffnungsrede. Der UNEP-Direktor stellte niemanden an den Pranger, doch in den Fluren des UN-Hauptquartieres Girigiri in Nairobi ist es ein offenes Geheimnis, dass der 119-Millionen-Dollar-Haushalt der Weltumweltbehörde, der am Ende der Konferenz wieder beschlossen werden soll, nicht gedeckt sein wird. Potenziell starke Beitragszahler, allen voran die USA, halten ihren Beitrag zurück. Um die neue Umweltpolitik der USA hüllt sich noch Nebel. Ob der neue amerikanische Umweltminister nach Nairobi reist, war gestern noch zweifelhaft. In der Gästeliste steht noch der Name von David B. Sandalow, der in der Clinton-Regierung als Generaldirektor im Umweltministerium diente, aber dem der Ministerrang fehlte. Ohne die Beteiligung der USA, da sind sich die Konferierenden einig, wird globale Umweltpolitik nicht zu machen sein. Das Scheitern der Klimakonferenz in Den Haag ist noch in guter Erinnerung. Der Nairobi-Gipfel dient in erster Linie als Forum für einen Meinungsaustausch, bahnbrechende Entscheidungen, etwa zum Haupthema erneuerbare Energien, sind nicht zu erwarten. So wurde denn gestern im Forum munter debattiert mit einer breiten Meinungspalette. Aus deutscher Sicht soll Nairobi Fortschritte bei der Stärkung der UNEP und eine bessere Verzahnung von Umweltkonventionen bringen, so Hendrik Vygen vom Umweltministerium gestern in Nairobi. Weitere Ziele seien eine "globale Chemikalienstrategie" mit Maßnahmen gegen die "Schmutzigen Zwölf", gemeint sind Schwermetalle. Außerdem dient Nairobi als Vorbereitungsrunde für den Weltumgipfel "Nachhaltige Entwicklung" im Jahr 2002 in Johannesburg. Die UNEP, die auch im Natur- und Tierschutz tätig ist und eine Konvention für Biodiversität auf den Weg brachte, überraschte gestern pünktlich zu Konferenzbeginn mit einer guten Nachricht aus dem Tierreich: Ein chinesisch-britisches Team hat mit UNEP-Unterstützung in Chinas Xinjiang Provinz eine bisher unbekannte, wilde Kamelart entdeckt, von der es nur noch 1000 Exemplare gibt. Die genetische Differenz zu domestizierten Kamelen betrage drei Prozent, sagte Expeditionsleiter John Hare. Die zweihöckrigen Tiere leben in den salzigen Sanddünen am Rande der tibetischen Berge in einer höchst feindlichen Umgebung. Wissenschaftler rätseln noch, wie Nieren, Lungen und Leber der Tiere mit der hohen Salzbelastung fertig werden.

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