Klimawandel : Das Wetter bremst die Kohle

09.01.2011 11:53 UhrVon Dagmar Dehmer

Die zwei größten Risiken für das Klima sieht der Klimaökonom Ottmar Edenhofer im schnellen Ausbau der falschen, weil klimaschädlichen Infrastruktur in den Schwellenländern und in einem hohen Ölpreis.

Edenhofer befürchtet den raschen Aufbau von Stromerzeugungssystemen auf Kohlebasis, den Bau von gigantischen Straßen für immer mehr Autos und schlecht gedämmte Häuser mit einem hohen Energieverbrauch. Der Vize-Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Professor an der Technischen Universität Berlin sagt aber auch immer wieder: „Ein hoher Ölpreis hilft dem Klimaschutz nicht – im Gegenteil.“

Denn ein hoher Preis lässt die Ausbeutung von Erdöl- oder Erdgasvorkommen lohnend erscheinen, die bisher zu teuer waren. Sein Albtraum ist die Kohleverflüssigung zum Einsatz als Sprit für Fahrzeuge, über die in den USA wie in China debattiert wird, weil der Ölpreis steigt und der Kohlepreis langsamer nachzieht.

Die Realität hat ihm bisher recht gegeben. Vor allem in China, den USA und Indien – den drei größten Kohleproduzenten – ist die Nutzung in den vergangenen zehn Jahren stetig gestiegen. Alle drei Länder sind inzwischen sogar Kohleimporteure, obwohl die USA gerne das „Saudi-Arabien der Kohle“ genannt werden. „Das beschleunigt die Wachstumsrate der Emissionen“, erklärt Edenhofer.

Doch nun könnte ausgerechnet eine Wetterkatastrophe diese Dynamik zumindest für ein paar Monate unterbrechen. Denn die Flut in Queensland in Australien hat drei Viertel der dortigen Kohlefelder überschwemmt. Der Tagebau ist zum Erliegen gekommen. Und die Eisenbahnverbindung zum Hafen ist ebenfalls unterspült und nur noch eingeschränkt nutzbar. Der Preis für Kokskohle ist in wenigen Tagen von 246 Dollar pro Tonne auf 300 Dollar gestiegen, den Höchststand, der 2008 kurz vor dem Beginn der Finanzkrise erreicht worden war. Selbst die Preise für die Kohle, die in Kraftwerken zur Stromproduktion verheizt wird, ist bereits um 2,4 Prozent gestiegen. Australien hat einen Anteil am Exportkohlemarkt von 40 Prozent. Gemeinsam mit Südafrika, Indonesien und Kolumbien deckt das Land vier Fünftel des weltweiten Importkohlebedarfs. Doch auch in Südafrika sind Lieferunterbrechungen zu erwarten. Die große Flut, die Australien heimgesucht hat, ist nun auch in Südafrika eingetroffen. Die Staudämme in der Kohleregion sind zu mehr als 100 Prozent gefüllt, und ein Ende des Regens ist noch nicht abzusehen. Der Kohlepreis dürfte weiter steigen.

Ob die von Edenhofer beschriebene Dynamik zu brechen ist, wenn nicht nur der Ölpreis, sondern gleichzeitig auch der Kohlepreis steigt, ist eine offene Frage. Aber die kommenden Monate hoher Kohlepreise sind eine Chance für alternative Energietechnologien, die bisher wegen der hohen Markteinführungskosten nicht zum Zug gekommen sind. Bei der Stromerzeugung begünstigt der hohe Kohlepreis die erneuerbaren Energien. Denn die Lücke bei den Produktionskosten zwischen Wind- und Kohlestrom schließt sich so noch schneller. Allerdings dürften die Flutfolgen in Australien doch schneller beseitigt sein, als Elektroautos zum Massenprodukt werden.

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