Klimawandel : Die Welt zu retten ist gar nicht so teuer

Ökostrom statt fossile Brennstoffe - damit ist die stärkere Erderwärmung aufzuhalten. Der neue Bericht des Weltklimarats IPCC zeigt die Strategien auf und rechnet die Kosten vor.

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Um Wege zur Verringerung der Erderwärmung geht es im dritten Teil des fünften Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC, der am Sonntag in Berlin vorgestellt wurde. Der Bericht gibt keine konkreten Empfehlungen für bestimmte Emissionsziele oder Klimaschutzstrategien; er zeigt aber Möglichkeiten auf, um der Erderwärmung entgegenzuwirken. Zugrunde gelegt wird das internationale Ziel, die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen.
Haupttriebkraft des Klimawandels bleibt demnach die Energieerzeugung. Neben der generell steigenden Energienachfrage machen die Wissenschaftler den wachsenden Anteil von Kohlekraftwerken am Energiemix für weltweit steigende Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich. Ohne Gegenmaßnahmen dürften sich die Emissionen allein im Energiesektor demnach bis 2050 verdoppeln oder verdreifachen. Das Zwei-Grad-Ziel sei gleichwohl noch erreichbar, allerdings müsste sich dafür der Anteil emissionsfreier oder emissionsarmer Energiequellen von derzeit etwa 30 Prozent bis 2050 auf mehr als 80 Prozent erhöhen. Die Kohlendioxid-Emissionen müssten im gleichen Zeitraum um 40 bis 70 Prozent im Vergleich zu 2010 sinken.

Investitionen machen nur 0,06 Prozentpunkte des jährlichen Wirtschaftswachstums aus


Neu am IPCC-Bericht ist, dass er insbesondere auf die Ökonomie zielt. Und dabei natürlich auf eine ihrer Hauptantriebsfedern, die Energiegewinnung. Ein schneller Wandel weg von Kohle, Gas und Öl sei durchaus bezahlbar - er koste nur einen Bruchteil der weltweiten Wirtschaftskraft, so die neuen Berechnungen. Sie sollen der Politik als Grundlage für Entscheidungen dienen, vor allem bei der nächsten großen Klimakonferenz in Paris 2015. Die nötigen Investitionen für das Zwei-Grad-Ziel seien mit 0,06 Prozentpunkten des jährlichen Wirtschaftswachstums bis 2030 gering, urteilt Prof. Ottmar Edenhofer, Co-Vorsitzender des Berichts. „Das würde beispielsweise heißen, dass die Wirtschaft anstatt mit 2 Prozent um 1,94 Prozent pro Jahr wächst“, erläutert der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

Optionen für das Erreichen der Klimaziele sind mehr erneuerbare Energien, aber auch Atomkraft sowie fossile Kraftwerke in Verbindung mit einer Abscheidung und Speicherung des entstehenden Kohlendioxids (CCS). Bei der Atomkraft weisen die Wissenschaftler allerdings auf Sicherheitsrisiken und ungeklärte Entsorgungsfragen hin. CCS sei nur wettbewerbsfähig, wenn es für die höheren Kosten eine Kompensation gebe. Übergangsweise wäre auch ein Ersatz von Kohle- durch hocheffektive Gaskraftwerke klimapolitisch sinnvoll oder durch KWK-Anlagen, die Strom- und Wärmeerzeugung kombinieren. Bis Ende des Jahrhunderts soll es keine fossilen Kraftwerke ohne CCS mehr geben.
Als problematisch stufen die Wissenschaftler zunehmende Emissionen im Verkehrssektor ein. Als mögliche Gegenmaßnahmen werden Elektromobilität sowie Treibstoffe auf Methan-Basis genannt.
Größere Anstrengungen sind demnach auch im Gebäudebereich erforderlich. Verwiesen wird auf technische Fortschritte etwa bei Niedrigenergiehäusern. Aufgrund der langen Nutzungsdauer von Gebäuden sei aber auch die energetische Sanierung des Gebäudebestandes wichtig.

Die Entwaldung geht zurück - das wirkt sich positiv aufs Klima aus


Positive Entwicklungen sehen die Experten im Bereich der Landnutzung. Hier sei es in den vergangenen Jahren gelungen, die Emissionen zu senken, vor allem durch einen Rückgang der Entwaldung. Für die Zukunft gebe es zwar Risiken, aber auch weitere Chancen für eine relativ kostengünstige Emissionsminderung. Auch die Bioenergie wird als wichtig für den Klimaschutz eingestuft. In Verbindung mit CCS wären hier sogar „negative Emissionen“ möglich. Hingewiesen wird allerdings auch auf Gefahren durch Verdrängungseffekte bei der Landnutzung oder fehlende Nachhaltigkeit.
Als mögliches Steuerungsinstrument des Kohlendioxid-Ausstoßes nennen die Wissenschaftler den Emissionshandel. Allerdings seien bisher Effekte meist begrenzt geblieben, vor allem wegen zu großzügiger Zuweisungen von Emissionszertifikaten. Wirksam können demnach auch Kohlendioxid-Steuern sein. Soziale Härten ließen sich verringern, wenn Einnahmen zur Senkung anderer Steuern genutzt würden. Erhebliche Klimaschutzeffekte seien auch durch den Abbau von Subventionen für fossile Brennstoffe erreichbar.
Ein Abwarten bei notwendigen Maßnahmen bis etwa 2030 würde dazu zwingen - wenn das Zwei-Grad-Ziel dennoch erreicht werden soll - Emissionen danach wesentlich abrupter und stärker zu senken als bei frühzeitigerem Handeln. Wirtschaftliche Belastungen wären dann wesentlich größer.
Grundlage des Berichts sind die Ergebnisse vor allem des bereits veröffentlichten ersten Teils des neuen IPCC-Berichts zu wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels. Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler hat der weltweite Treibhausgasausstoß in den Jahren 2000 bis 2010 nicht nur zugenommen; die Steigerung hat sich sogar auf durchschnittlich 2,2 Prozent pro Jahr beschleunigt. AFP/dpa


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