Klimawandel : Narben dieser Erde

Der UN-Bericht zum Klimawandel liegt vor. Wie wird sich die Welt verändern?

Dagmar Dehmer

So klar wie nie zuvor belegt der vierte Bericht des UN-Klimarats den Einfluss des Menschen auf das Weltklima. An der Studie haben 2500 Experten sechs Jahre lang gearbeitet. Der Rat, der 1988 gegründet wurde, forscht nicht selbst, sondern soll wissenschaftlichen Daten zum Klimawandel sammeln und auswerten.


WASSER

Die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Wasserversorgung sind dramatisch. Durch das Schmelzen der Gletscher in den Gebirgen drohen die Quellen großer Flüsse auszutrocknen. Das gefährdet die Wasserversorgung von Millionen von Menschen vor allem in Asien. Zunächst aber fließt mehr Wasser ab und erhöht so das Risiko verheerender Überschwemmungen. Das gilt vor allem dann, wenn Gletscherseen, die an den schmelzenden Eismassen entstanden sind, überlaufen oder ihre natürlichen Dämme brechen. Dann könnten große Wassermassen auf einen Schlag zu Tal rasen. Schon jetzt ist absehbar, dass die Gletscher der afrikanischen Berge schon in der Mitte des Jahrhunderts verschwunden sein werden. Schon heute leiden Millionen Menschen unter den Folgen, weil Flüsse deutlich weniger Wasser führen.

Sturm
Laut dem Bericht des Weltklimarats gibt es wahrscheinlich mehr Wirbelstürme.Foto: ddp


Die zweite Folge der Erwärmung sind steigende Meeresspiegel, weil sich das warme Wasser ausdehnt und gleichzeitig vor allem in der Arktis schnell große Mengen Eis schmelzen. Nach Ansicht des Klimaexperten Herrmann Ott wird das Abschmelzen der Polkappen auf lange Sicht „Städte wie Rostock, Hamburg und Kiel unbewohnbar“ machen. Gerade deutsche Küstenstädte wären besonders betroffen, weil sie meist nahe der Küstenlinie gebaut sind. Und in Afrika drohen Megastädte wie das nigerianische Lagos vollständig im Meer zu versinken.

Das bisher von Eis bedeckte Grönland könnte bis 2100 komplett grün sein, heißt es im IPCC-Report. Im Pazifik könnten ganze Inselstaaten wie beispielsweise Tuvalu von der Landkarte verschwinden. Besonders dramatisch entwickelt sich die Lage für Bangladesch, das im Delta zweier großer Flüsse aus dem Himalaja liegt und zusätzlich vom steigenden Meeresspiegel bedroht ist.


LUFT

Die Erwärmung der Luft führt in Mitteleuropa vor allem zu einem zunehmenden Verlust von kalten Tagen und Nächten. Schneereiche Winter werden seltener. Auf der anderen Seite stehen mehr heiße Tage und Nächte sowie regelrechte Hitzewellen. Der Sommer 2003, in dem in Europa tausende Menschen wegen der Hitze gestorben sind, wird keine Ausnahme bleiben. Solche Sommer dürften häufiger werden. In Deutschland werden vor allem im Osten des Landes die Sommer noch trockener.


LAND

Bei ungebremstem Klimawandel wird es bis 2100 in Ostdeutschland eine Tendenz zur Versteppung geben. Bei einem Schreckensszenario von einer Erderwärmung um fünf Grad Celsius könne die Sahara bis nach Berlin reichen, sagt der Klimaexperte Hans Joachim Schellnhuber. In der Mittelmeerregion werden Regenfälle noch seltener werden, im schlimmsten Fall kann es zur Wüstenbildung kommen. Im Südosten Irlands rechnen Experten wegen des Klimawandels bereits 2020 mit Dürreperioden. In Sibirien taut der Permafrost auf. Dort ist die Durchschnittstemperatur bereits um drei Grad gestiegen, rund sieben Prozent der immer gefrorenen Böden sind schon verloren. Die Folgen können dramatisch sein, weil im Permafrost große Mengen Methan gespeichert sind. Werden sie freigesetzt, steigt das Tempo des Klimawandels weiter. Methan hat eine viermal größere Treibhauswirkung als Kohlendioxid, das bei der Verbrennung von Öl, Gas und Kohle freigesetzt wird.


NATUR

Den Eisbären schmilzt ihr Lebensraum weg. Die Folgen erleben Menschen an der Küste im hohen Norden schon heute. Immer mehr hungrige Eisbären plündern Mülltonnen und werden zu einer echten Gefahr für die Menschen. In Deutschland haben neue Studien gezeigt, dass Vögel, die bisher am Mittelmeer verbreitet waren, nun auch in Süddeutschland brüten. Ein Beispiel sind Bienenfresser. Dagegen weichen Vögel, die kältere Regionen bevorzugen, immer weiter in den Norden aus. In Afrika rechnen die Wissenschaftler damit, dass durch den Klimawandel 25 bis 40 Prozent der Lebensräume für Tiere verloren gehen.

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