Politik : Klimawandel trifft Somalia am härtesten

Zwei Nicht-Regierungsorganisationen legen einen Risiko-Index vor: Die Erwärmung schadet den Ärmsten

Dagmar Dehmer

Berlin - Der Klimawandel hat Somalia im Jahr 2004 am schlimmsten zugesetzt. Zu diesem Ergebnis kommen die Germanwatch und die Deutsche Welthungerhilfe. Gemeinsam legten sie am Montag in Bonn einen Klima-Risiko-Index für das Jahr 2004 vor. Hinter Somalia lagen die Dominikanische Republik, Bangladesch, die Philippinen und China. Als einziges entwickeltes Land finden sich die USA unter den ersten zehn wieder – auf Platz neun. Deutschland liegt auf Platz 33.

Die Autoren haben die Daten des Geo- Risikoforschungszentrums der Münchener Rückversicherung ausgewertet und sie mit Daten der UN-Statistikbehörde und der Weltbank abgeglichen. Sie untersuchten die „wetterbedingten Schadensereignisse“, bei denen mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Zusammenhang mit dem Klimawandel besteht, nach Anzahl der Todesopfer und Schadenssummen. Beide Zahlen wurden relativiert: Die Todesopfer wurden pro 100 000 Einwohner berechnet. In China mit seiner großen Bevölkerung sind die absoluten Todeszahlen immer höher als in einem kleinen Inselstaat in der Karibik. Ebenso verfuhren sie mit den Schadenssummen, die sie in Relation zur Wirtschaftsleistung setzten.

2004 war für die meisten im Index gelisteten Länder ein besonders katastrophales Jahr. Nicht nur Hurrikane oder Taifune brausten über sie hinweg, in vielen Ländern gab es Hochwasserkatastrophen oder Dürren. Um herauszufinden, ob sie nur ein extremes Jahr in den Blick genommen hatten, werteten die Autoren ihre Indikatoren zehn und zwanzig Jahre zurück aus. In den Zeitreihen fällt auf, dass Haiti fast jedes Jahr auf den ersten zehn Plätzen auftaucht. Das hat damit zu tun, dass der Inselstaat in der Karibik liegt, und das Hurrikanrisiko sich dort in den vergangenen zehn Jahren um 170 Prozent erhöhte. Es hat aber auch damit zu tun, dass Haiti das ärmste Land Lateinamerikas ist. Der Inselteil, auf dem Haiti liegt, ist im Gegensatz zum Nachbarstaat, der Dominikanischen Republik, nahezu vollständig entwaldet – Holz ist die einzige Energiequelle der Armen. Zugleich litt Haiti jahrzehntelang unter politischer Instabilität. Entsprechend reagierte der Staat kaum oder gar nicht mit Katastrophenvorsorge auf die Klimaveränderungen.

Ganz im Gegensatz zu den Philippinen, deren Beispiel die Autoren ausführlich darstellen. Auch dieser Inselstaat ist stark gefährdet und musste in den vergangenen 20 Jahren mit einer Vielzahl von wetterbedingten Naturkatastrophen fertig werden. Doch dort gibt es seit mehr als zehn Jahren Programme, die Dorfbewohnern helfen, sich auf Katastrophen vorzubereiten. Der Erfolg lässt sich zwar nicht an sinkenden Totenzahlen ablesen, wohl aber an sinkenden Schadenssummen.

Eberhard Seiler von der Welthungerhilfe zieht daraus den Schluss, dass Entwicklungsorganisationen und Regierungen die Katastrophenvorsorge stärker in den Mittelpunkt rücken müssen. Allerdings bemängelt er auch, dass wegen dieser Zunahme der Naturkatastrophen immer weniger Geld für langfristige Entwicklungsprojekte zur Verfügung steht.

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