Klimawandel : Vorbereitung auf den Ernstfall

Dürre hier, Überflutungen dort: Die Staaten des südlichen Afrika sehen sich mit katastrophalen Wetterprognosen konfrontiert – und wollen gemeinsam vorsorgen.

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Unberechenbar.
Unberechenbar.Foto: REUTERS

An dem kleinen Grenzposten in Giriyondo zeigt sich Afrika von seiner dynamischen Seite. Bis zu 100 Fahrzeuge passieren täglich das mit Stroh gedeckte Abfertigungsgebäude mitten im Busch zwischen dem Krüger-Park in Südafrika und dem Limpopo-Nationalpark in Mosambik. Touristen und mit Waren beladene Pick-ups nutzen den erst vor fünf Jahren eingerichteten Übergang ebenso wie ein traditioneller Heiler. Nach und nach sollen auch die Zäune abgebaut werden, damit die Tiere frei wandern können. Gemeinsam mit dem Gonarezhou-Nationalpark in Simbabwe bilden die Reservate den Transfrontier-Park, ein Vorzeigeprojekt für grenzüberschreitenden Naturschutz im südlichen Afrika – und Vorbild für die Kooperation im Kampf gegen den Klimawandel.

In diesem Teil der Erde ist der bereits bittere Wirklichkeit. „Die Menschen spüren, dass etwas nicht stimmt, doch sie kennen die Ursachen nicht“, sagt Baldeu Chande, der Chef des Limpopo-Nationalparks. In manchen Gegenden des südlichen Afrika regnet es kaum noch, anderswo so reichlich, dass immer wieder ganze Landstriche überflutet werden. Mosambik hat das mehrfach erlebt, denn in den Flüssen des Küstenlandes sammelt sich das Wasser aus mehreren Hochebenen.

Ende November sollen beim Klimagipfel in Durban in Südafrika neue internationale Umweltziele verhandelt werden. Die Chancen für ein Nachfolgeabkommen des auslaufenden Kyoto-Protokolls stehen aber schlecht. „Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns an die Klimaveränderungen anzupassen“, sagt Nyambe Nyambe, ein Namibier, der im Sekretariat der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) arbeitet. Die 15 in der SADC zusammengeschlossenen Staaten sehen sich mit katastrophalen Prognosen konfrontiert: Experten rechnen damit, dass die Temperaturen im südlichen Afrika bis 2090 um vier bis fünf Grad ansteigen werden. Schon ein Grad Temperaturanstieg könnte 60 Prozent der Ernten in der Region gefährden. Allein werde Afrika es nicht schaffen, sagt Nyambe. Die Industriestaaten als Verursacher des Klimawandels seien in der Pflicht zu helfen.

Mit Geldern des deutschen Umweltministeriums wird derzeit der Miombowald, das zweitgrößte zusammenhängende Waldgebiet Afrikas, erfasst. Mosambik, Simbabwe, Angola, Malawi, Namibia, Botswana und Kongo haben sich verpflichtet, seine Abholzung zu stoppen. Dafür soll eine Satellitenüberwachung eingerichtet werden. Die Afrikaner sehen dies als Gegenleistung dafür, dass die Industrieländer ihren Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid senken. Über das Entwicklungsministerium fördert Deutschland aber auch andere Umweltprojekte der SADC. „Hinter dem Engagement steht die Hoffnung, dass der Staatenbund eine Katalysatorenfunktion für ganz Afrika hat“, erklärt SADC-Beraterin Wibke Thies von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

Gegründet wurde die SADC vor mehr als 30 Jahren von unabhängigen Staaten rund um den Einflussbereich des südafrikanischen Apartheidsregimes. Heute gehören ihr Krisenstaaten wie die Demokratische Republik Kongo ebenso an wie das relativ wohlhabende Botswana und mit Südafrika auch ein Schwellenland, das zu den internationalen Klimasündern zählt. Vorbild sind die Mitglieder vor allem beim Umgang mit ihren Wasserreserven. „70 Prozent unseres Wassers überschreitet Grenzen, da sieht jeder, dass es ohne Kooperation nicht geht“, meint Phera Ramoeli aus der SADC-Wasserabteilung, der selbst aus Lesotho stammt. In Flussgebietskommissionen, wie es sie in Europa etwa für die Donau gibt, planen die Anrainer der großen Flüsse nun gemeinsam Dämme, Frühwarnsysteme sollen den Staaten Zeit geben, sich auf Überschwemmungen vorzubereiten. „In Mosambik hat dies schon Leben gerettet“, weiß Ramoeli.

Unumstritten sind die Projekte aber nicht. Wo Dämme gebaut werden, müssen schließlich meist Menschen weichen. Das führt zwangsläufig zu Konflikten. Wegweisend könnten Erfahrungen aus dem Limpopo-Nationalpark in Mosambik sein, wo ebenfalls 7000 Menschen umsiedeln sollen. Jagd und Ackerbau der Parkbewohner vertragen sich schlecht mit dem Konzept eines Naturreservats. Und schon gar nicht der Handel mit Feuerholz aus Bäumen des Parks. „Seit wir die ersten Zäune zum Krüger-Park abgebaut haben, haben die Leute außerdem Vieh an Raubtiere verloren“, sagt Parkchef Chande.

In Mosambik selbst gab es nur noch wenige Wildtiere, weil Wilderer in dem früheren Bürgerkriegsland lange leichtes Spiel hatten. Dass seltene Arten nun aus dem Krüger-Park zurückkehren, ist für Mosambik nicht zuletzt ein Wirtschaftsfaktor. Schließlich erhofft sich das Land vom Tourismus einen Entwicklungsschub. Die Umsiedler sollen dabei nicht leer ausgehen; sie erhalten künftig 20 Prozent der Parkeinnahmen und neue Ackerflächen in der fruchtbaren Pufferzone des Schutzgebiets. Moderne Bewässerungssysteme sollen sie unabhängiger von den Widrigkeiten der Natur machen – und damit für den Klimawandel rüsten. „Inzwischen wollen auch Gruppen mitmachen, die sich zunächst strikt geweigert hatten, wegzugehen“, sagt Baldeu Chande.

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