Politik : Klinikärzte drohen auch Kommunen

Rainer Woratschka

Berlin - Bislang trafen die großen Ärztestreiks fast ausschließlich Unikliniken und Landeskrankenhäuser. Kommunale Kliniken sprangen in die Bresche – und profitieren von Patientenflucht und -verlegung. Doch auch Kommunen und Landkreise stecken in Tarifverhandlungen mit ihren Klinikärzten. Und für den Fall des Scheiterns droht der Marburger Bund (MB) ihnen ebenfalls mit Arbeitskampf.

Am Freitag verhandelte der Ärzteverband in Köln zum fünften Mal mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). Die Dimension ist eine andere als bei den Unikliniken: Betroffen sind nicht 22 000 Ärzte an 40, sondern 70 000 Ärzte an 700 Häusern. Und VKA- Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann fürchtet nichts mehr, als dass die Länder ihren Ärzten zu weit entgegenkommen. „Für uns sind etwaige Ergebnisse, die bei den Tarifverhandlungen zwischen den Ländern und dem MB erreicht werden könnten, kein Maßstab“, beharrt er – wohl wissend, dass sie natürlich Maßstab sein werden. Es sei „eine Illusion, zu glauben, die Tarifgemeinschaft der Länder verhandle im luftleeren Raum“, sagt der Chef des Interessensverbands Kommunaler Krankenhäuser, Hansjörg Hermes. Würden dort zweistellige Gehaltszuwächse vereinbart, seien gleich lautende Forderungen „nur eine Frage der Zeit“.

Die Streiks könnten durchaus übergreifen, warnt MB-Sprecher Athanasios Drougias. Kommunale Ärzte litten „unter denselben schlechten Bedingungen wie ihre Kollegen in den Unikliniken“. Nach Angaben des Verbands der Universitätsklinika indessen verdienen sie teilweise über zehn Prozent mehr als Uni- Ärzte. Verantwortlich dafür seien Länderkürzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie andere Arbeitszeitregelungen.

Für die Unikliniken vereinbarten TdL- Chef Hartmut Möllring und MB-Vorsitzender Frank Ulrich Montgomery am Freitag ein Vier-Augen-Gespräch. Ort und Termin blieben aber geheim, sagte Möllrings Sprecher.

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