• Klinikärzte: Nur wer will, arbeitet länger Hamburger Lösung könnte Tarifkonflikt entschärfen

Politik : Klinikärzte: Nur wer will, arbeitet länger Hamburger Lösung könnte Tarifkonflikt entschärfen

Rainer Woratschka

Berlin - Wenn die Krankenhausärzte im Februar das Skalpell wieder mit der Trillerpfeife tauschen, geht es ihnen nicht nur ums Geld. Was sie ebenso stört wie schlechte Bezahlung, sind ihre überlangen Dienste. Wie es gehen kann, haben nun Marburger Bund und Krankenhaus- Arbeitgeber in Hamburg gezeigt. Für rund 3000 Mediziner einigten sie sich auf ein Arbeitszeitmodell, das nach Ansicht der Verhandlungsführer auch Vorbild für andere sein könnte. Das Modell sei „vernünftig, relativ einfach und berücksichtigt das neue Arbeitszeitrecht“, sagte der Chef des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, dem Tagesspiegel.

Kern der Einigung ist mehr Flexibilität für beide Seiten. So sollen die Kliniken nicht generell kürzer arbeitende Ärzte bekommen, die Mediziner sollen bei ihrer Arbeitszeit aber mitreden dürfen. Statt 38,5 Stunden gelten nun 40 Stunden pro Woche als Grundnorm. Jeder kann aber auf Wunsch und für entsprechend höheres Gehalt bis zu acht Stunden mehr arbeiten. An Bereitschaftsdiensten darf er sich pro Woche sogar bis zu 16 Stunden mehr aufbrummen lassen – wenn er in sechs Monaten den 48-Stunden-Schnitt nicht überschreitet. Gezwungen werden indes dürfen Ärzte zu solcher Mehrarbeit nicht – es sei denn, es handelt sich um ungeplante Überstunden. Außerdem gilt auch für Mehrarbeiter grundsätzlich die Fünf- Tage-Woche. Und: Pro Monat müssen mindestens zwei Wochenenden frei sein.

Dass dies in Hamburg gelang, liegt laut Montgomery an der Situation in der Hansestadt. Ähnlich wie die Berliner Charité und das Land Hessen haben die Hamburger Krankenhausträger den Arbeitgeberverband verlassen und sich dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst verweigert. Nach einem halben Jahr Tariflosigkeit habe ein Einigungsdruck bestanden.

Die kommunalen Klinikbetreiber, gegen die sich die Februar-Streiks richten, pochen jedoch auf diesen Vertrag. Darin sei festgeschrieben, dass pro Woche bis zu 19,5 Stunden Bereitschaft dazukommen könnten. Bereitschaft und Überstunden eingerechnet, dürften 58 Stunden wöchentlich nicht überschritten werden.

Das ist nur wenig mehr als in Hamburg ausgehandelt – allerdings ist von keinem Mitspracherecht die Rede. Und dann kommt noch die Sache mit dem Gehalt. Über die geforderten 30 Prozent mehr wollen die kommunalen Träger partout nicht mit sich reden lassen. Aber der Vergütungsteil – von Montgomery als „dicker Brocken“ bezeichnet – steht auch in Hamburg noch aus.

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