Politik : KLM als Fluchthelfer der Nazis Niederländische Fluglinie hilft nicht bei Aufklärung

Rolf Brockschmidt

Berlin - Die niederländische Fluggesellschaft KLM hat offenbar direkt nach dem Zweiten Weltkrieg aktiv geholfen, Nazis aus Deutschland via Zürich nach Südamerika illegal ausreisen zu lassen. Das ergaben Recherchen des Magazins „netwerk“ des protestantischen Senders EO, deren Ergebnisse dieser Tage in den Niederlanden zu sehen waren. Deutschen Nazis und Kriegsverbrechern war es von den Alliierten verboten, das Land zu verlassen. In Archiven in Argentinien, den USA und der Schweiz haben die Journalisten von „netwerk“ Dokumente gefunden, die belegen, dass Nazis mit der KLM via Zürich erst nach Uruguay und später direkt nach Argentinien geflogen sind.

Dokumentiert ist der Fall des Nazi-Architekten Herbert Helfrich, der 1947 mit KLM nach Uruguay geflogen ist und dann per Boot nach Buenos Aires weiterreiste. Er arbeitete für den argentinischen Diktator Juan Peron, der daran interessiert war, deutsche Techniker und Wissenschaftler anzuwerben, um mit ihrem Wissen sein Militär und die atomare Rüstung aufzubauen. Helfrich reiste im Auftrag Perons wieder nach Bern, um von dort aus die Flucht anderer Personen nach Argentinien zu organisieren.

Der US-Journalist Uki Goni sagt in dem Film, aus amerikanischen Quellen werde deutlich, dass die Amerikaner 1946 und 1947 sowohl die KLM als auch die niederländische Regierung vergeblich aufgefordert hatten, die Fluchthilfe zu unterbinden. Ein Dokument aus der Schweiz von 1948 besagt, dass die KLM direkt die Schweizer Fremdenpolizei gebeten hatte, Deutsche ohne alliierte Genehmigung ausreisen zu lassen.

Die Fluggesellschaft hat gegenüber dem Sender schriftlich erklärt, sie würde damals wie heute nicht bei der Aufspürung und Festnahme gesuchter Personen helfen. In ihren Archiven sei dazu nichts zu finden.

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