Politik : Klonen von Menschen: Staaten dringen auf weltweites Verbot

Die gemeinsame Initiative Deutschlands und Frankreichs gegen das Klonen von Menschen könnte bei der nächsten UN-Vollversammlung im September zu einem der wichtigsten Diskussionsthemen werden. Es sei sehr wahrscheinlich, dass der gemeinsame Antrag auf die Tagesordnung gesetzt wird, sagte am Donnerstag ein UN-Sprecher.

Die Regierungen in Berlin und Paris wollen das reproduktive Klonen durch eine UN-Konvention wirksam verhindern und eine weltweit gültige ethische Schranke gegen entsprechende Forschungsbestrebungen errichten. Die Initiative war im Juni von Bundesaußenminister Joschka Fischer und seinem französischen Amtskollegen Hubert Vedrine vereinbart worden.

UN-Sprecher Manoel de Almeida e Silva wies darauf hin, dass bereits seit Jahren UN-Beschlüsse gegen das Klonen von Menschen existierten. So habe die UN-Vollversammlung sich 1999 in einer Universellen Deklaration zum menschlichem Erbgut und zu den Menschenrechten für ein Verbot aller Praktiken ausgesprochen, die zum Klonen von Menschen führen könnten. Ähnliche Beschlüsse habe die Weltgesundheitsorganisation bei ihren Jahresgipfelkonferenzen 1997 und 1998 gefasst. Diese UN-Beschlüsse sind jedoch bislang nicht rechtlich bindend.

EU-Forschungskommissar Philippe Busquin kündigte an, für solche Forschungen werde es kein Geld aus Brüssel geben. Busquin sagte der "Financial Times Deutschland", das Klonen von Menschen habe keinerlei wissenschaftlichen Wert und könne dem Image der Wissenschaft sogar schaden. Der französische Gesundheitsminister Bernard Kouchner verlangte, die internationale Gemeinschaft müsse konsequent gegen Staaten vorgehen, die ein Verbot missachteten. Er nannte das reproduzierende Klonen "moralisch völlig unakzeptabel". Zugleich sprach er sich aber für das so genannte therapeutische Klonen unter strengen gesetzlichen Regelungen aus.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist anderer Meinung. Auch das therapeutische Klonen, bei dem Embryonen als Ersatz für Gewebe und Organe hergestellt würden, werfe schwerwiegende ethische Probleme auf, erklärte DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer. Zudem würden bei beiden Formen des Klonens Frauen als Lieferantinnen von Eizellen instrumentalisiert.

Ex-Gesundheitsministerin Andrea Fischer verwies auf die Schwierigkeiten, ein Klonverbot technisch durchzusetzen. Doch würde es den Forschern die Arbeit zumindest erschweren, sagte die Grünen-Politikerin der "Leipziger Volkszeitung". Geldgier, Geltungssucht und der Verlust von Maßstäben seien Triebfedern solcher Wissenschaftler.

Der Bonner Stammzellenforscher Otmar Wiestler sagte, die Idee des Menschenklonens sei zwar im Moment nicht umsetzbar, aber niemand wisse, wie es in zehn Jahren aussehe. Derzeit bestehe ein Risiko, dass kranke und missgebildete Menschen entstünden, erklärte Wiestler im NDR. Ein Verbot schaffe eine "ganz erhebliche Hürde".US-Forschung mit Bundesmitteln?

Unterdessen hat der amerikanische Präsident George W. Bush nach monatelangen Beratungen eine Entscheidung darüber getroffen, ob embryonale Stammzellenforschung in den USA künftig mit Bundesmitteln gefördert werden. Bush wollte den Beschluss in der Nacht zum Freitag in einer Fernsehrede offiziell bekannt geben. Präsidenten-Sprecher Ari Fleischer machte vorab keine Angaben, wie sich Bush entschieden hat. Gesundheitsminister Tommy Thompson, ein Befürworter der Forschung mit embryonalen Stammzellen, erklärte jedoch in einem Interview des Fernsehsenders ABC, er sei mit der Entscheidung des Präsidenten sehr zufrieden.

Bush hatte in den vergangenen Monaten mit einer Reihe von Experten die wissenschaftlichen, ethischen und religiösen Gesichtspunkte der Stammzellenforschung erörtert. Mehr als 200 Kongressabgeordnete hatten ihn Ende Juli schriftlich aufgefordert, embryonale Stammzellenforschung mit Bundesmitteln zu fördern. Bush habe die Leben von Millionen Menschen in der Hand, schrieben die 202 Abgeordneten, darunter 40 Republikaner. Damit die Stammzellenforschung ethischen und rechtlichen Richtlinien entspreche, seien Förderung und Aufsicht durch die Bundesbehörden notwendig, hieß es in dem Brief. Zuvor hatten 59 Senatoren Bush aufgefordert, die Forschung zu unterstützen.

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