Politik : Klonforscher soll alles gefälscht haben

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Berlin/Seoul - Das Ausmaß des Skandals um den südkoreanischen Klonforscher Hwang Woo-Suk soll noch größer sein als bisher angenommen. Mehrere koreanische Medien berichteten am Montag, nicht nur einige, sondern alle geklonten menschlichen Stammzelllinien seien gefälscht. Sämtliche Studien stehen jetzt in Frage. Die Universität Seoul, wo Hwang von seinem Lehrstuhl zurücktrat, wollte die Angaben nicht bestätigen. Ein Abschlussbericht der Universität wird für Anfang Januar erwartet.

In seiner spektakulärsten Studie behauptet Hwang, von elf schwer kranken Patienten maßgeschneiderte Stammzellen hergestellt zu haben. Mit den Zellen ließe sich krankes Gewebe eventuell ersetzen, ohne eine Abstoßungsreaktion hervorzurufen. Nachdem Zweifel an der Echtheit der Studie aufgekommen waren, ließ die Untersuchungskommission genetische „Fingerabdrücke“ von Hwangs Stammzellen anfertigen und verkündete am Freitag: Bei neun von elf Stammzellkulturen handelt es sich um Fälschungen. Von zwei weiteren Zellkulturen liegen die Informationen derzeit noch nicht vor. Sind auch sie gefälscht, wäre die Stammzellforschung um Jahre zurückgeworfen. Es wäre wieder offen, ob sich maßgeschneidertes Ersatzgewebe überhaupt herstellen lässt. Forscher hoffen, damit unter anderem Leiden wie die Parkinson-Krankheit oder Diabetes behandeln zu können.

Auch bei Hwangs anderen Klonstudien könnte es sich um Fälschungen handeln. So hatte der Südkoreaner im August dieses Jahres den ersten geklonten Hund („Snuppy“) vorgestellt. Kritiker werfen dem Forscher vor, das Tier sei gar kein Klon, sondern ein Zwilling. Demnach habe Hwang eine befruchtete Eizelle im frühen Stadium geteilt und zwei identische Embryonen erzeugt. Eine Hündin habe einen der beiden Embryonen ausgetragen. Den anderen könnte Hwang zunächst eingefroren, erst Jahre später einer Hündin eingepflanzt und anschließend als Klon präsentiert haben. bas

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