Politik : Klug und souverän (Kommentar)

apz

Wenn sich Staaten im internationalen Miteinander zu symbolischen Gesten entschließen, ist das in der Regel ein gutes Zeichen. Meistens wollen sie damit den Willen zu einem Neuanfang bekunden und die Bereitschaft, alte Probleme und Sorgen hinter sich zu lassen. Die Begegnung von François Mitterrand und Helmut Kohl in Verdun war ein solches Symbol, auch der Kniefall Willy Brandts in Warschau. Und natürlich hat es ebenfalls große Symbolkraft, wenn der israelische Ministerpräsident der erste Regierungschef ist, der seit dem Umzug der Verfassungsorgane von Bonn nach Berlin an der Spree erwartet wurde. Die Regierung Schröder wollte mit der Einladung das Signal setzen, dass sie sich sehr wohl auch in der Verantwortung für die dunklen Seiten der deutschen Geschichte sieht. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Ehud Barak zeigte mit der Annahme der Einladung innenpolitische Souveränität und außenpolitische Klugheit. Die Kritik aus der Likudpartei und vereinzelt in den Medien kann ihn unberührt lassen. Für die meisten Israelis ist die Bundesrepublik heute in der Tat, wie Barak es formulierte, der wichtigste Verbündete nach den USA und Sachwalter israelischer Interessen in der EU. Indem der Ministerpräsident das ausdrücklich erwähnte, betont er auch - unausgesprochen -, dass dies so bleiben möge. Und dazu musste er eben nach Berlin reisen.

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