Politik : Knapp verpasst

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Reisen bildet. Vor allem, wenn man trifft, wen man treffen will. Eine Delegation des UN-Sicherheitsrats, geleitet vom deutschen Diplomaten Pleuger, war gerade in Afghanistan. Dort wollte man auch mit Ismail Khan, dem Kriegsherrn der West-Provinz Herat, sprechen. Der aber sei gerade in der Schweiz, so hieß es. Nun war Khan gerade in Berlin und sprach inoffiziell mit Joschka Fischer. Fischer wiederum flog gleich danach gen Washington, um mit Colin Powell zu reden. Und der wiederum musste sich bei dem Gespräch beeilen, weil er gleich nach Europa zu jetten hatte. Von dorther fliegt am Donnerstag der Kanzler über den Atlantik. George W. Bush trifft er nicht, denn der ist zeitgleich in London.

Es tut sich also was am Himmel. Nun ist der Multilateralismus bestimmt eine tolle Sache. Es fehlt aber eine Koordinierungsstelle für Staatsfluggäste. Wir wollen jetzt nicht gleich nach dem Bund der Steuerzahler rufen, der prüfen könnte, warum Kanzler und Vizekanzler in die USA reisen, wenn der dortige Präsident (samt Außenminister) sich gerade nach Europa aufmacht. Denn das ist bestimmt viel zu kleinkariert gedacht. Trotzdem: Schon merkwürdig, wie man sich bei so viel Herumfliegerei so oft fast verpassen kann.

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