Politik : Knapper Wahlausgang in Kroatien Regierungschef Sanader kann sich behaupten

Zagreb - Bei den Parlamentswahlen in Kroatien hat die Regierungspartei HDZ unter Ministerpräsident Ivo Sanader im Kopf-an- Kopf-Rennen mit den Sozialdemokraten die Führung übernommen. Sie werde in die neue Volksvertretung 60 Abgeordnete schicken, berichtete die amtliche Wahlkommission am Sonntagabend in Zagreb nach Auszählung der ersten Stimmen. Die oppositionellen Sozialdemokraten (SDP) mit Zoran Milanovic an der Spitze kommen danach auf 53 Parlamentarier. Der Sabor in Zagreb wird rund 150 Abgeordnete umfassen. Beide Parteien haben nach Darstellung des staatlichen Fernsehens Chancen, die Regierung zu bilden.

Wer am Ende die Regierung stellt, hängt von den Koalitionspartnern ab, berichteten die Wahlforscher. Während sich die „Volkspartei“ mit acht Abgeordneten ebenso wie die Regionalpartei IDS mit vier Parlamentarier für die SDP entschieden hatte, stand ein Beschluss der „Liberalen“ mit neun Mandaten noch aus. Auch die acht Vertreter der nationalen Minderheiten mit acht Parlamentssitzen ließen offen, mit wem sie koalieren werden. Nach Berechnungen des Fernsehens könnten die Sozialdemokraten am Ende zwischen 72 und 80 Sitze, die konservative HDZ 70 bis 78 Sitze gewinnen.

Nach ersten Analysen haben die 400 000 Wähler im benachbarten Bosnien-Herzegowina die Wahl entschieden. Diese meist nationalistisch orientierten Kroaten hatten fast ausnahmslos die HDZ gewählt, die dadurch wenigstens sechs Mandate erzielen konnte.

Demgegenüber hatten sich die Sozialdemokraten dafür eingesetzt, den Landsleuten im Nachbarstaat das Wahlrecht zu nehmen. Nur diejenigen dürften über das Schicksal Kroatiens entscheiden, die dort auch Steuern zahlen, hatte die Begründung gelautet. Die SDP hatte daher auf einen Wahlkampf in der Herzegowina verzichtet. Bei der Wahl der 160 Abgeordneten waren 4,48 Millionen Bürger stimmberechtigt. dpa

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