Koalitionspoker : Hessen-FDP rückt von Union ab

Vor einigen Tagen lehnte die Hessen-FDP die Zusammenarbeit mit der SPD noch ab. Nun hält der hessische FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn ein Beharren auf einer Koalition mit der CDU doch nicht für richtig. Liebäugelt der Liberale jetzt mit der Ampelkoalition?

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Möchte gern mitregieren: Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn. - Foto:ddp

MainzIn der FDP werden die Forderungen nach einer größeren Distanz gegenüber der Union lauter. Die Liberalen seien "sehr irritiert darüber, wie sich die Bundes-CDU derzeit benimmt", sagte der hessische FDP-Landeschef Jörg-Uwe Hahn in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Die Bundes-FDP müsse genau analysieren, "ob man tatsächlich eine so harte Koalitionsaussage zu Gunsten der CDU macht wie wir in Hessen oder ob man eine weichere Aussage trifft."

Hahn galt bislang als überzeugter Befürworter einer schwarz-gelben Koalition. Er habe das Gefühl, dass der Wunsch nach Reformen in Deutschland "nur noch bei der FDP ist", kritisierte Hahn die Union. "Ich glaube, unser Partner hat seine Meinung geändert. Und dann ist er nicht mehr per se unser Partner."

Gerhard offen für Koalition mit den Grünen

Auch andere FDP-Politiker melden sich zu Wort. Der frühere FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt zeigte sich offen für mögliche Koalitionen mit den Grünen. "Gegenüber den Grünen sehe ich keine prinzipielle Unverträglichkeit. In Hessen oder auch auf Bundesebene könnte ich mir schwarz-gelb-grüne Bündnisse gut vorstellen, wenn keine Zweierkoalition möglich ist", sagte er.

Der nordrhein-westfälische FDP-Landesvorsitzende Andreas Pinkwart sagte laut "Spiegel", die FDP solle in künftigen Wahlkämpfen zwar "Präferenzen benennen etwa für Schwarz-Gelb", doch dürften Koalitionen mit anderen demokratischen Parteien "nicht strikt ausgeschlossen" werden. "In einem Fünf-Parteien-System müssen wir beweglicher werden und uns auf neue Konstellationen einstellen", zitiert das Magazin zudem FDP-Vize Rainer Brüderle.

Der saarländische FDP-Chef Christoph Hartmann sagte ebenfalls im "Spiegel", nur eine Koalition mit der Linkspartei sei auszuschließen. Ähnlich äußerten sich die Landesvorsitzenden aus Bayern, Berlin, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen sowie die Jungen Liberalen, heißt es in dem Bericht weiter. Der aktuelle FDP-Kurs in Hessen, eine Koalition mit SPD und Grünen abzulehnen, werde allerdings akzeptiert. (ut/ddp)

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