Politik : Koch: Regierung hat Aventis-Verkauf tatenlos zugesehen

Nach Übernahme des Pharmakonzerns durch französische Firma Sanofi befürchtet auch der Betriebsrat Jobverluste in Frankfurt

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Frankfurt (Main)/Berlin (fo/ro). Die Übernahme des deutschfranzösischen Pharmakonzerns Aventis durch den viel kleineren Konkurrenten Sanofi hat am Montag eine Debatte um Industriepolitik ausgelöst. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) warf der Bundesregierung „Tatenlosigkeit“ vor. Koch forderte Sanofi zugleich auf, die Aventis-Forschung und Produktion im Rhein-Main-Gebiet zu belassen. Dort arbeiten allein 7800 der 9000 deutschen Aventis-Mitarbeiter. Die Bundesregierung hatte sich während des dreimonatigen Übernahmekampfes zu Neutralität verpflichtet. Die französische Regierung verfolgte dagegen klare industriepolitische Interessen. Sie unterstützte das feindliche Übernahmeangebot von Sanofi-Synthelabo, weil sie daran interessiert war, einen Impfstoffhersteller von Weltrang im eigenen Land zu halten. Der französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin begrüßte die Übernahme. Die „Entscheidungszentren und die Arbeitsplätze“ blieben in Frankreich und Europa, was dem strategischen Interesse Frankreichs entspreche.

Am Sonntag hatte das Aventis-Management überraschend das um zehn Prozent auf 55 Milliarden Euro aufgestockte Sanofi-Angebot angenommen. Der Schweizer Konkurrent Novartis zog daraufhin seine Bereitschaft für ein Gegenangebot zurück. Durch die Fusion entsteht jetzt der größte europäische und der weltweit drittgrößte Pharmakonzern mit 100 000 Mitarbeitern und etwa 28 Milliarden Euro Umsatz.

Der Betriebsratsvorsitzende von Aventis in Frankfurt am Main, Michael Klippel, kritisierte die Bundesregierung wegen ihrer Neutralität. Stärker noch allerdings ist die Kritik am Aufsichtsrat und am Vorstand von Aventis. Klippel sagte, es sei unverständlich, warum das Management nur wegen eines höheren Preises so schnell umgekippt ist. Aventis-Chef Igos Landau muss gehen und erhält früheren Spekulationen zufolge rund 22 Millionen Euro Abfindung.

Gewerkschaften befürchten den Abbau von 2000 bis 3000 Stellen in Deutschland. Die Bundesregierung erwartet allerdings, dass der Standort Frankfurt gestärkt wird. Aventis mit Sitz in Straßburg war 1999 aus der Fusion von Hoechst und Rhone-Poulenc entstanden. Seitdem wurden 2000 neue Arbeitsplätze in Frankfurt geschaffen.

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