Politik : Kochs Gesandter in Berlin

Christoph Schmidt Lunau

Wiesbaden - Als Franz Josef Jung im Juli überraschend die Spitzenkandidatur der Hessen-CDU zur Bundestagswahl übernahm, war das ein Ticket mit Rückversicherung. Er werde seinen Posten als Chef der CDU-Landtagsfraktion nur dann Richtung Berlin verlassen, wenn er dort in der ersten Reihe Politik machen könne, hieß es. Nun könnte es das Amt des Verteidigungs- oder des Agrarministers werden.

Der 56-jährige promovierte Jurist gilt seit gemeinsamen Zeiten bei der Jungen Union als enger politischer Weggefährte von Ministerpräsident Roland Koch. Jung, der Winzersohn aus dem Rheingau, studierte nach dem Abitur im nahen Mainz Jura. Doch weil sein Vater früh gestorben war, war sein Platz immer auch der Weinberg.

Als Jung und Koch in den 70er Jahren der CDU beitraten, hatte der Aufstieg des hessischen Landesverbands vom Honoratiorenverein zur Regierungspartei gerade begonnen. Mit der ersten CDU-Regierungsübernahme 1987 durch Walter Wallmann rückten beide in die erste Reihe auf, Jung als Generalsekretär, Koch als Fraktionschef. Jung war Kochs Wahlkampfmanager, nach dem Wahlsieg 1999 sein Staatskanzleichef. Die schwerste Belastungsprobe hat ihre Freundschaft überstanden, als nämlich in der CDU-Spendenaffäre Jung sein Ministeramt hatte aufgeben müssen, obwohl ihm die Mitwisserschaft genauso wenig nachzuweisen war wie dem Regierungschef selbst. Mit dem Wahlsieg 2003 und der absoluten Mehrheit für die CDU begann Jungs Comeback. Als Vorsitzender der Regierungsfraktion redet er bei allen wichtigen Entscheidungen im Lande mit.

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