Politik : Köhler sagt Antisemiten den Kampf an

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Jerusalem Bundespräsident Horst Köhler hat vor dem israelischen Parlament ein konsequentes Vorgehen Deutschlands gegen Antisemitismus zugesagt und sich zugleich gegen das Vergessen der Schrecken des Holocaust gewandt. „Die Verantwortung für die Schoa ist Teil der deutschen Identität“, betonte Köhler am Mittwoch in Jerusalem in seiner mit Spannung erwarteten Rede. Er sagte, die Deutschen müssten sich fragen, „ob Lehrer, Eltern und Journalisten über den Irrweg des Nationalsozialismus wirksam aufklären“. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte zum 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz von der Erinnerung an Krieg und Völkermord als „Teil unserer gelebten Verfassung“ gesprochen.

Auf Hebräisch bedankte sich Köhler bei den israelischen Abgeordneten für die Einladung und versicherte, dass dies ein Tag sei, „der mich sehr bewegt“. Er verneige sich in Scham vor den Opfern der Nazi-Herrschaft und erweise Ehre denen, die ihr Leben riskiert hätten, um Juden zu retten.

Vor Köhler hatte sich auch schon Amtsvorgänger Johannes Rau in deutscher Sprache an die Knesset-Abgeordneten gewandt. Dennoch fand eine kleine Gruppe von fünf Parlamentariern der politischen Rechten unter Führung des Gesundheitsministers Dan Naveh es unangebracht und boykottierte die Sitzung. Oppositionsführer Joseph Lapid nahm Köhler in Schutz. „Nicht die Sprache ist schuld, die Menschen sind schuld“, sagte er. Deutsch sei nicht nur die Sprache der Hitler, Goebbels und Eichmann gewesen, sondern vor allem von Goethe, Schiller und Heine.

Grünen-Chefin Claudia Roth lobte Köhlers Rede als wichtig und „sehr glaubwürdig“. Es sei eine „Rede gegen eine Entsorgung deutscher Geschichte“ gewesen, sagte sie dem Tagesspiegel. Köhler habe damit „unseren moralischen Imperativ als Wertmaßstab an Politik heute und morgen erneut definiert: Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Tsp

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