Politik : Köhler sagt es Polen durch die Blume

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Warschau - „Gelassenheit“ lautet die vorläufige Parole Berlins beim Umgang mit der nationalpopulistischen Koalition in Polen. Doch nur auf blumige Sonntagsreden wollte sich Bundespräsident Horst Köhler bei seiner vierten Visite im Nachbarland am Donnerstag nicht beschränken. Die Eröffnung der Warschauer Buchmesse gab ihm eine willkommene Gelegenheit, seinem Amtskollegen Lech Kaczynski die Sorge vor nationalen Alleingängen des EU-Partners durch die literarische Blume zu vermitteln. Keine Nation in Europa könne „getrennt von den anderen“ den Weg des Fortschritts gehen, zitierte der Gast Polens Nationaldichter Adam Mickiewicz. Gastgeber Kaczynski machte eine eher missmutige Miene. Das „wichtigste Merkmal des Kontinents“ sei die „Vielfalt der Kulturen“, entgegnete Polens oberster Patriot. Zum Abschluss des deutsch-polnischen Kulturjahres war der deutsche Staatschef an die Weichsel gereist. Doch auch wenn beide Präsidenten außer den üblichen Freundschaftsbeteuerungen offen „Meinungsverschiedenheiten“ einräumten, war ihr Bemühen um einen Konsens unübersehbar.

Auslassungen wie die des polnischen Verteidigungsministers, der das deutsch- russische Gaspipelineprojekt mit dem Ribbentrop-Stalin-Pakt von 1939 verglich, erklärte Köhler zwar „für nicht akzeptabel“. Doch gleichzeitig betont er, dass sich auf „der Ebene der Normalbürger“ viel bewege, die „Entwicklung einer guten Nachbarschaft Fortschritte“ mache. Von „einzelnen Dingen“ dürfe man sich „nicht ins Bockshorn jagen“ lassen, verwahrte sich Köhler gegen die Ansicht, dass das Verhältnis ein schwieriges sei: Die „Offenheit des Austauschs“ dokumentiere, dass die Beziehungen gut seien. Gleichzeitig kündigte er verstärkte Anstrengungen zur Verbreitung des Polnischen in Deutschland an: „Verstehen kann man sich nur, wenn man sich verständigen kann.“ tro

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