Politik : Köhler warnt vor Überalterung

Michael Schmidt

Berlin - „Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren“, zitierte Bundespräsident Horst Köhler am Dienstag ein afrikanisches Sprichwort: „Die zweitbeste ist jetzt.“ Zum Auftakt des gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung begründeten zweitägigen „Forums demografischer Wandel“ in Berlin rief das Staatsoberhaupt dazu auf, im Angesicht von Geburtenrückgang und Alterung „die Zukunft zum Guten zu beeinflussen“. „Wir sind den Ursachen und Folgen des demografischen Wandels nicht hilflos ausgeliefert“, stellte Köhler fest.

Bei gleichbleibender Geburtenrate, steigender Lebenserwartung und ohne weitere Einwanderung würden am Ende dieses Jahrhunderts nicht einmal halb so viele Menschen in der Bundesrepublik leben wie heute, sagte Köhler. Zuwanderung auf dem bisherigen Niveau werde den Bevölkerungsrückgang nicht aufhalten, sondern allenfalls bremsen. Mit zum Teil absehbaren Folgen: „Während heute hundert Menschen im Erwerbsalter für 44 Rentner aufkommen, werden sie im Jahr 2050 bereits für gut 80 Rentner zu sorgen haben“, sagte Köhler. Gefordert seien zum einen die Tarifpartner: „Was ist das für ein Land, in dem wir bald bis 67 arbeiten sollen, in dem aber viele schon mit 50 keine Stelle mehr finden?“ fragte er. Eine der wichtigsten Fragen sei, „wie wir Zuwendung und Pflege für immer mehr alte Menschen sichern, die keine Familien mehr haben“. Und „wie wir unsere sozialen Sicherungssysteme umbauen und ergänzen, damit die wachsende Zahl der Älteren auch künftig einen guten Lebensabend hat.“

Entscheidend aber sei, sagte Köhler, zu fragen, „warum immer mehr junge Menschen kinderlos bleiben“. Jeder Euro, der die Bedingungen von Familien verbessere, sei mithin eine unverzichtbare Investition in die Zukunft.

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