Politik : Köhler zu erstem Besuch in Afghanistan

Masar-i-Scharif - Bundespräsident Horst Köhler ist am Freitag zu einem nicht angekündigten Besuch in Afghanistan eingetroffen. Es ist die erste Reise des Staatsoberhaupts zu den deutschen Truppen am Hindukusch. Der Aufenthalt des Bundespräsidenten und seiner Frau Eva Luise war bis zuletzt geheim gehalten worden. Nach der Begrüßung durch den für den Norden Afghanistans zuständigen Kommandeur, General Frank Leidenberg, ehrte Köhler die in der Region getöteten Soldaten. Der Bundespräsident verharrte still an einem Gedenkstein, auf dem die Inschrift „Zum Gedenken an unsere toten Kameraden. In Deine Hände befehle ich meinen Geist“ und Plaketten mit den Namen von 58 Soldaten angebracht sind. Anschließend war ein nichtöffentlicher Lagevortrag für das Staatsoberhaupt geplant.

Einer Mitteilung des Bundespräsidialamtes zufolge äußerte Köhler seinen „tiefsten Respekt“ über den Einsatz der Soldaten. „Sie sind bereit, das Höchste, Ihr Leben, für unsere Werte, für Frieden, Recht und Freiheit einzusetzen.“ Der Einsatz sei fraglos gefährlich, aber „richtig und legitim“. Köhler versprach den Soldaten „alles zu tun, was ich kann, damit in Deutschland gewürdigt wird, was Sie in Afghanistan leisten“.

In Afghanistan sind derzeit rund 4300 deutsche Soldaten stationiert. Der Bundestag hatte die Mandatsobergrenze Ende Februar um 850 auf 5350 Soldaten erhöht, um der verschlechterten Sicherheitslage vor allem in der Provinz Kundus Herr zu werden. Im Juli soll die Aufstockung der deutschen Truppen in Afghanistan beginnen. Die Bundeswehrsoldaten sollen künftig viel stärker als bisher gemeinsam mit den afghanischen Soldaten auf Patrouillen gehen und die Aufständischen gemeinsam bekämpfen. Damit wird sich nach den Worten von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auch das Risiko für die deutschen Soldaten erhöhen. Die neue Strategie soll die Weichen für einen Abzug ab 2011 stellen und legt den Schwerpunkt auf die Ausbildung der afghanischen Armee und Polizei sowie auf die zivile Hilfe. Bei der Bundeswehr soll die Zahl der Ausbilder für die afghanischen Sicherheitskräfte von 280 auf 1400 steigen. Die zivile Aufbauhilfe wird auf 430 Millionen Euro verdoppelt. dpa/Tsp

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