Köln und die Folgen : Es liegt nicht an der Religion

Der reflexartig hergestellte Zusammenhang mit dem kulturellen Hintergrund der Täter hilft nicht bei der Ursachenforschung für Gewalttaten wie in Köln, sagt der Psychologe Haci Halil Uslucan.

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Gewalt und Sexismus haben nichts mit Herkunft, Religion und Kultur zu tun. Vor dem Kölner Hauptbahnhof demonstrieren syrische Flüchtlinge: "Nein zu den Übergriffen von Köln!"
Gewalt und Sexismus haben nichts mit Herkunft, Religion und Kultur zu tun. Vor dem Kölner Hauptbahnhof demonstrieren syrische...Foto: Maja Hitij / dpa

„Das hängt mit dem Islam zusammen. Das ist in deren Kultur so verankert.“ Solcherlei Pauschalurteile sind nach den Ereignissen in Köln oft zu hören; es wird viel über die Ursachen sexistischen Handels junger nordafrikanischer Männer islamischen Glaubens spekuliert. Doch Pauschalisierung und Spekulation hilft nicht weiter, im Gegenteil. Herkunft, Religion und Kultur sind nicht ausschlaggebend für die Entwicklung von gewalttätigem und aggressivem Handeln, wie Studien der empirischen Gewaltforschung belegen.

Prof. Dr. Haci Halil Uslucan, Psychologe und wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung, zeigt in seinem Beitrag auf Tagesspiegel Causa die eigentlichen möglichen Ursachen auf: Vernachlässigung und Verwahrlosung in der Kindheit sowie frühe Gewalterfahrungen - im Elternhaus, im sozialen Alltag, in Kriegssituationen - führen eher zu feindseligem und aggressiven Verhalten, unabhängig davon, ob es sich um deutsche, arabische, christliche oder muslimische Jugendliche handelt. Hier geht es zum vollständigen Artikel von Haci Halil Uslucan auf unserem Debattenportal Tagesspiegel Causa.

Gibt es Belege für einen Zusammenhang zwischen Migration und Kriminalität?

Uslucans Analyse ist der zweite Beitrag in unserer Debatte zur Frage, ob und wenn ja welche Belege es für den derzeit politisch viel bemühten Zusammenhang zwischen Migration und Kriminalitätsrisiko gibt. 

In einem ersten Text analysiert der Münsteraner Kriminalwissenschaftler Christian Walburg die Situation verschiedener Einwanderergruppen und gibt klare politische Handlungsempfehlungen. Auf Tagesspiegel Causa entsteht nach und nach eine Infografik zu diesem Thema, indem weitere Autoren sich beteiligen und untereinander ihre zentralen Argumente bewerten. Eine vollständige Grafik finden sie zum Beispiel hier.

Unser Debattenportal Tagesspiegel Causa ist noch in der Beta-Phase. Wir freuen uns über Anmerkungen und Kritik an causa.info@tagesspiegel.de!

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