Politik : Kölner Terrorverdächtige sind wieder auf freiem Fuß

Jost Müller-Neuhof

Bonn/Berlin – Die beiden in einer spektakulären Aktion vor eineinhalb Wochen auf dem Flughafen Köln/Bonn festgenommenen mutmaßlichen Islamisten sind vorerst wieder frei. Wie die Bonner Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte, bestehe gegen die aus Somalia stammenden Männer kein dringender Tatverdacht mehr, sich zu einem Sprengstoffanschlag verabredet zu haben. Sie stünden aber weiter im Verdacht, eine „erhebliche Straftat“ begangen zu haben. Die Ermittlungen dauerten an, hieß es.

Die Anwälte von Omar D. und Abdirazak B., Mutlu Günal und Boris Krösing, zeigten sich erleichtert und „ein wenig überrascht“, dass die Männer so rasch frei kamen und nicht das Ergebnis der am Montag eingereichten Haftbeschwerde abgewartet wurde. „Doch es gab praktisch nur ein Indiz für eine Tat, und auch dies war nicht belastbar“, sagte Günal dem Tagesspiegel. So hätten die Männer vor ihrem Treffen eine SMS ausgetauscht, die einmal vollständig und einmal unvollständig angekommen sei. Einer habe auf Eile gedrungen, dieser Teil sei dann aber in der zweiten SMS weggefallen. Im zweiten Teil sei das Wort „Paradies“ aufgetaucht. Offenbar habe dies gereicht, um die Männer als potenzielle Selbstmordattentäter zu identifizieren.

Bei dem Zugriff spielte auch ein angeblicher Abschiedbsrief eine Rolle, der im Gepäck von Omar D. gefunden wurde. Nach Angaben Günals handelte es sich aber nur um ein glutvoll formuliertes Schreiben von dessen Verlobter. So habe sie geschrieben, dass sie sich Kinder von ihm wünsche, was nur schlecht zum Szenario eines Selbstmordanschlags passe. Auch auf Übersetzungsfehler können sich die Polizisten nicht berufen: Sowohl SMS als auch der Liebesschwur seien auf Deutsch verfasst. Wie Günal weiter sagte, habe bereits der für organisierte Terrortaten zuständige Generalbundesanwalt keine ausreichenden Indizien für eine Straftat gesehen und deshalb frühzeitig abgelehnt, die Ermittlungen zu übernehmen.

Medienberichten zufolge soll der Verfassungsschutz die Männer seit langem beobachten. Man vermute, sie wollten sich in pakistanischen Terrorlagern ausbilden lassen. Sie wurden auch in Verbindung mit dem Islamisten Eric Breininger gebracht, nach dem das Bundeskriminalamt öffentlich fahndet. Nordrhein-Westfalens Innenministerium hat den Zugriff mit dem Hinweis verteidigt, es habe eine Gefahrenlage bestanden. Der Düsseldorfer Landtag und der Bundestags-Innenausschuss sollen sich jetzt mit dem Fall befassen. Jost Müller-Neuhof

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