König und Kanzlerin : Was Merkel an Biedenkopf liebt

Feuerwerk, Bergmannskapelle, Kinderchor und eine Laudatio von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) – die sächsische CDU hat den 80. Geburtstag ihres ehemaligen Chefs Kurt Biedenkopf zünftig gefeiert. Die Kanzlerin sparte nicht mit Komplimenten.

Ralf Hübner

Dresden Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte Sachsens ehemaligen Ministerpräsidenten vor rund 1300 geladenen Gästen und Politprominenz am Freitagabend im Congress Center Dresden einen „Glücksfall für Sachsen und die CDU“. Er sei ein „brillanter Vordenker“ mit klugen Ideen, ein „unerschrockener Freigeist“, der sich vehement gegen Denkverbote gewendet habe, ein „wichtiger Mahner“, der über den Tag hinaus denke. Biedenkopf mache „dem Land der Dichter und Denker große Ehre“. Er habe einem jungen Bundesland neues Selbstbewusstsein verliehen. Die Kanzlerin rief die Menschen zu mehr Mut und Zuversicht bei der Globalisierung und dem Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft auf. Zuvor hatte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) Biedenkopf als den „Architekten des modernen Sachsen“ bezeichnet.

Von 1973 bis 1977 war Biedenkopf Generalsekretär der Bundes-CDU und von 1990 bis 2002 Regierungschef in Sachsen. „König Kurt“, wie er noch immer genannt wird, residiert in Dresden in einer Wohnung am Neumarkt im Schatten der Frauenkirche. Da ist auch sein Büro. Sein Name ist noch immer jedem Taxifahrer in der Stadt ein Begriff. Den überwiegenden Teil seines Lebens verbringt er nach eigenem Bekenntnis an der Elbe: „Zwei Drittel in Dresden, ein Drittel Süddeutschland“ – wegen der Studien in Bibliotheken. Ein Grund für den Aufenthalt im Süden dürfte aber auch sein Grundstück am Chiemsee sein.

Biedenkopf war nach etlichen Jahren auf der Oppositionsbank im Landtag von Nordrhein-Westfalen im Herbst 1990 nach Sachsen gekommen und hatte im Freistaat als Ministerpräsident seinen zweiten politischen Frühling erlebt. Sein Ruf als Kritiker des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) sicherte ihm bundesweite Aufmerksamkeit. Den Sachsen verhieß Biedenkopf trotz einer wegbrechenden Industrie Anfang der 90er Jahre immer wieder die Rückkehr zu alter Herrlichkeit. Seine größte Sorge sei gewesen, dass Resignation um sich greife, sagte er jetzt. Neben Erfolgen habe es auch Enttäuschungen gegeben. „Ich war manchmal sehr niedergeschlagen.“ Sein größter Coup damals: der erste Solidarpakt 1993. Darauf sei er „heute noch stolz, denn die Initiative ging von Sachsen aus“.

Biedenkopf stolperte 2002 über eine Reihe von Affären wie etwa seine Lebensführung mit staatlich finanziertem Dienstpersonal und umstrittenen Rabattgeschäften in Warenhäusern. Seit seinem Rücktritt ist es still um ihn geworden. Er habe jetzt eine Reihe anwaltlicher Dinge gemacht und stehe immer für Fragen zur Verfügung. Aber: „nicht öffentlich“. Ein Buch will er schreiben. „Der Verleger ist hinter mir her und ist traurig, dass es noch nicht fertig ist. Ich habe aber noch gar nicht angefangen.“ Biedenkopf scheint nicht unzufrieden. Er habe „den Eindruck, dass viele Dinge, die ich in den vergangenen 30, 40 Jahren beschrieben und die mich bedrängt haben, jetzt an die Oberfläche kommen“. 

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