Politik : Königin der Umfragen im Sinkflug

Ségolène Royal steht im Wahlkampf schlecht da

Hans-Hagen Bremer[Paris]

Knapp zwei Monate vor der Präsidentenwahl in Frankreich deutet sich ein Stimmungswandel an. Während die bisher als „Madonna der Umfragen“ apostrophierte Kandidatin der Sozialisten, Ségolène Royal, kaum noch Aufsehen erregt, dominiert Innenminister Nicolas Sarkozy als Kandidat der Regierungspartei UMP die öffentliche Debatte nahezu uneingeschränkt. Selbst der Vorwurf, dass der ihm unterstellte Inlandsnachrichtendienst Renseignements Généraux (RG) die Sozialistin Royal ausspioniert habe, scheint Sarkozy nicht zu schaden. Nach einer neuen Umfrage kann er im ersten Wahlgang mit 32 Prozent der Stimmen rechnen, Royal nur mit 26 Prozent. Bei der anschließenden Stichwahl könnten 53 Prozent der Stimmen auf ihn und nur 47 Prozent auf Royal entfallen.

Kürzlich hatte die satirische Wochenzeitung „Le Canard enchaîné“ berichtet, dass RG-Agenten auf Geheiß Sarkozys eine Akte über Bruno Rebelle angelegt hatten, einen früheren Direktor von Greenpeace-France, der seit Anfang Januar dem Wahlkampfteam Royals angehört. Vor wenigen Tagen enthüllte das Blatt dann eine neue „Stinkbombe“. Danach hat der Nachrichtendienst im vergangenen November Royals Vermögensverhältnisse ausgekundschaftet. Wer dazu den Auftrag erteilte, ist unklar. Erkenntnisse über das Wohneigentum der Kandidatin und ihres Lebensgefährten, des Parteichefs der Sozialisten, Francois Hollande, die möglicherweise aus diesen Recherchen stammten, waren aber im Januar mit verleumderischen Behauptungen über die von dem Paar angeblich umgangene Vermögensteuer Journalisten zugespielt worden.

In einem Rundfunkinterview bestritt Sarkozy, seine Konkurrentin ausspioniert zu haben. Ebenso wies er Anschuldigungen der Opposition zurück, den Staat in seinen persönlichen Dienst zu stellen. Hintergrund ist der Diebstahl des Motorrollers seines Sohnes, den die Polizei mit Hilfe einer kostspieligen, in solchen Fällen sonst nie angewendeten DNA-Analyse aufgeklärt hatte.

Royal gelingt es nicht, aus den Enthüllungen Kapital zu schlagen. Einer der Gründe: Ihr unterlaufen Fehler, die mangelnde Kenntnisse in der Außen- und Sicherheitspolitik erkennen lassen. So sprach sie dem Iran das Recht auf zivile Nuklearenergie ab und blieb die richtige Antwort auf die Zahl der französischen Nuklearunterseeboote schuldig. Und auch ein Programm hat Royal noch nicht vorgelegt. Sie will die Franzosen zunächst weiter zu ihren Vorstellungen über eine „gerechte Ordnung“ für Familie, Schule und Arbeit anhören, ehe sie ihr Programm am 11. Februar veröffentlicht.

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