Kofferbomber : Haftbefehl gegen dritten Verdächtigen

Im Fall der versuchten Kofferbombenanschläge auf Regionalzüge hat der Bundesgerichtshof Haftbefehl gegen den in Karlsruhe festgenommenen mutmaßlichen Mittäter erlassen.

Karlsruhe - Der 23 Jahre alte syrische Staatsangehörige Fadi A. S. ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft dringend verdächtig, die fehlgeschlagenen Anschläge zusammen mit den festgenommen Mitbeschuldigten Youssef Mohamad E. H. und Dschihad Hamad vorbereitet zu haben.

Hierzu habe Fadi A. S. im Vorfeld der Anschlagsversuche zusammen mit Youssef Mohamad E. H. im Internet nach Anleitungen zum Bau von Bomben recherchiert, hieß es. Gemäß diesen Anleitungen seien die bei den missglückten Anschlägen verwendeten Spreng-Brandvorrichtungen zusammengebaut worden. Darüber hinaus sei der Beschuldigte Fadi A. S. seinen Mittätern bei deren Flucht über die Türkei und Syrien in den Libanon behilflich gewesen.

Fadi A. war in Konstanz in einem Studentenwohnheim festgenommen worden. Zuvor hatte er in Kiel gelebt. Der Ermittlungsrichter erließ den Haftbefehl wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchten Mordes und des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. Der Tatverdacht ergibt sich im Wesentlichen aus Angaben des im Libanon festgenommenen Dschihad Hamad, die durch Ermittlungen im Umfeld des Mitbeschuldigten Youssef Mohamad E. H. bestätigt würden.

Verbindung zu Al Qaida?

Unterdessen laufen die Ermittlungen im In- und Ausland weiter auf Hochtouren. Kriminalexperten gehen davon aus, dass die gefassten Kofferbombenleger in ein Terrornetzwerk eingebunden waren. Das Bundesinnenministerium rechnet mit weiteren Festnahmen. Derzeit würden "Hintergründe und Kontakte" der bislang Festgenommenen ausgeleuchtet, sagte Innenstaatssekretär August Hanning am Wochenende.

Über eine Auslieferung des im Libanon festgenommenen mutmaßlichen Terroristen Hamad gibt es laut Hanning noch keine Gewissheit. Ziel sei aber, "alle Tatverdächtigen in Deutschland vor Gericht zu stellen". Derweil berichtet der "Focus" über enge Kontakte Hamads zum Terrornetzwerk Al Qaida. So soll der 20-Jährige in dem palästinensischen Flüchtlingslager Ayn al Hilwe aufgewachsen sein, das ab 2003 zur Fluchtstätte für Führungskader und Kämpfer von Al Qaida geworden sei. (tso/ddp)

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