Politik : Kohl erteilt Merkel den Ritterschlag

Robert Birnbaum

Berlin - Es hat ja schon eine gewisse Versöhnung in der Natur der Sache gelegen. Der 60. Geburtstag der CDU, der Altkanzler als Festredner im Theater am Schiffbauerdamm – ausgerechnet, aber in genau diesem Saal ist die CDU 1945 nun einmal wirklich gegründet worden. Helmut Kohl also spannt den Bogen, wie man ihn halt spannt bei solchen Gelegenheiten, vom Gestern ins Heute – ins Morgen. „Liebe Frau Merkel“, sagt Kohl, „mit Ihrer Wahl zur Kanzlerkandidatin hat die CDU/CSU eine gute Wahl getroffen.“ Es gibt eine ganz kurze Sekunde Pause im Saal – hat er? Ja, hat er. Applaus. Das war der Ritterschlag. Und er wird später noch ergänzt werden durch einen bewegten Aufruf des alten Schlachtrosses Kohl, sich im Wahlkampf geschlossen hinter der Spitzenfrau zu versammeln: „Wenn Sie mir Freude bereiten wollen!“

Was naturgemäß schon mal Angela Merkel Freude bereitet. Zumal es die passende Einleitung zur Festrede der CDU- Chefin ist, die nach der rasanten Wandlung der Angela Merkel von der gestressten Oppositionschefin zur strahlenden Kandidatin eine weitere neue Facette zeigt: dass nämlich die spröde Frau Merkel bei Bedarf auch, wie es später einer ihrer Getreuen ganz richtig sagen wird, „Pathos kann“. Da ist von der Schicksalsgemeinschaft Nation die Rede und vom „Prinzip Verantwortung“, das die CDU immer dazu getrieben habe, die Schwachen in der Gesellschaft nicht zu vergessen. Vor allem aber probt Merkel erklärtermaßen den Tonfall, mit dem sie in den Wahlkampf ziehen will. Keine Attacken auf Rot-Grün – hat die CDU doch gar nicht nötig zur Zeit. Im Gegenteil, Mitleid muss die Regierung dulden: „Ich weiß, für viele ist der Abschied von Rot-Grün bitter“, sagt die Kanzlerkandidatin. Nur eben, es sei „Zeit für eine realistische Politik“. Und ab jetzt also mit dem Segen des Altkanzlers. Was für ein, sozusagen, Geburtstagsgeschenk!

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