• "Kohl hat Distanz zur Fraktion entstehen lassen" - Unionsfraktionsvize Hermann Kues über den Streit um den Altkanzler

Politik : "Kohl hat Distanz zur Fraktion entstehen lassen" - Unionsfraktionsvize Hermann Kues über den Streit um den Altkanzler

Sollte Herr Kohl sein B,estagsmandat niederlegen

Hermann Kues (50) ist stellvertretender Vorsitzender der Unions-Bundestagsfraktion. Mit dem CDU-Politiker sprach Armin Lehmann

Sollte Herr Kohl sein Bundestagsmandat niederlegen?

Ich halte von solchen sehr spektakulären Forderungen nichts. Die Fraktion hat zweifellos Diskussions- und Gesprächsbedarf. Ich wünsche mir, dass Helmut Kohl die Kurve bekommt, denn für das Selbstverständnis einer Bundestagsfraktion ist es auf Dauer nicht hinnehmbar, nur über den Fernseher informiert zu werden.

Die CSU scheint da anderer Meinung zu sein, Generalsekretär Goppel sagt, er müsse sich zumindest bis zur Klärung der Sachverhalte zurückziehen.

Ich wünsche mir umgekehrt eher das Gespräch mit Kohl. Das liegt an ihm. Er hat eine Distanz zur Fraktion entstehen lassen.

Wenn es diese Distanz gibt, reden Sie persönlich denn mit Kohl?

Ja.

Und was sagt er Ihnen?

Darüber möchte ich jetzt nicht reden.

Ihr CDU-Kollege Klaeden glaubt, es würde zu tumultartigen Szenen kommen, falls Kohl an Plenarsitzungen teilnimmt.

Das möchte ich nicht kommentieren.

Was kann die CDU denn zurzeit aktiv tun, wenn Kohl nicht zur Aufklärung beiträgt?

Die CDU muss Schluss machen mit einer Selbstdramatisierung der Ereignisse. Eine Partei, die Zukunft haben will, darf und sollte nicht in Sack und Asche gehen. Das haben auch die 640 000 Mitglieder und 70 000 Mandatsträger nicht verdient.

Wie wollen Sie das konkret verhindern?

Es ist eine nüchterne Darstellung der Fakten gefordert, eine dramatisierende Bewertung hilft nicht weiter.

Die Affäre in Hessen beschäftigt sicherlich auch die Bundestagsfraktion. Wäre es nicht auch für den Wähler die fairste Entscheidung, Neuwahlen auszuschreiben?

In Hessen müssen alle Fakten auf den Tisch. Weshalb es aber Neuwahlen geben sollte, kann ich nicht erkennen. Bei mir in Niedersachsen haben die Wähler beispielsweise zwischen den SPD-Kanzlerkandidaten Schröder und Lafontaine entschieden, ohne dass es Konsequenzen gehabt hätte. Übrigens verbunden mit einer anonymen 800 000-DM-Kampagne eines Wirtschaftsunternehmens.

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