Politik : Kohl mischt mit

Der Altkanzler will Christoph Böhr gegen Eva Lohse als Spitzenkandidat für Rheinland-Pfalz durchsetzen

Stephan Lüke[Mainz]

Die rheinland-pfälzische CDU kommt nicht zur Ruhe. Knapp zwei Wochen vor jenem Tag, an dem sich offiziell klären soll, wer neben dem amtierenden Landes- und Fraktionschef Christoph Böhr bereit ist, als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2006 gegen Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) anzutreten, wird der Ton rauer. Laut werden die Vorzüge einer potenziellen Bewerberin gepriesen: Eva Lohse, die Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen soll es richten. Sie sei der Hoffnungsschimmer für die rheinland-pfälzischen Christdemokraten, heißt es.

Doch die so Gelobte wird nun von prominenter Seite „ins Gebet genommen“, auf keinen Fall anzutreten: Altbundeskanzler Helmut Kohl sorgt sich um die schwarze Mehrheit in der 165 000 Einwohner zählenden Stadt. Zwar bezieht er nicht laut Stellung, doch im Ludwigshafener Rathaus berichtet man, Kohl habe Eva Lohse „dringend geraten, die Hände von der Spitzenkandidatur zu lassen“.

Es sind weniger die Qualitäten eines Christoph Böhr, die den einst mächtigsten Mann des Landes zum Handeln bewegen. Es ist auch nicht in erster Linie die Verbundenheit und Vertrautheit der beiden, die stetig wuchs, seit Böhr unter Kohl zum Bundesvorsitzenden der Jungen Union aufstieg. Viel bedeutsamer ist, dass Böhr zu den wenigen zählte, die trotz der Spendenaffäre auch offiziell zu Kohl standen. „Das hat Helmut Kohl nicht vergessen“, berichtet ein enger Vertrauter des Altkanzlers.

Dennoch würde sich Kohl, der nach Aussagen vieler nach wie vor „sehr großen Einfluss ausübt, ohne der große Strippenzieher im Hintergrund zu sein“, möglicherweise aus der Debatte heraushalten. Doch es geht um seine Heimatstadt Ludwigshafen. Die rote Hochburg hatte die CDU mit einer zur „Strahlefrau“ aufgebauten Eva Lohse nahezu sensationell bei der jüngsten Wahl „geknackt“. Helmut Kohl, so wird berichtet, hat die Oberbürgermeisterin, der sogar von ihren Anhängern eine „zu große Portion Gier nach Macht“ nachgesagt wird, an ihre Verantwortung erinnert. Allein schon die Tatsache, dass sie sich so lange die Option offen halte, die wirtschaftlich so bedeutsame Stadt „sang- und klanglos zu verlassen und nach Höherem zu streben“ sei schädlich.

Nicht nur dem Altkanzler missfällt ihr Taktieren. Gute Freunde fürchten zudem, sie werde von der „Alt-88er-Riege“ instrumentalisiert, um Christoph Böhr zu schaden. Jener Riege um den einstigen Umweltminister Hans-Otto Wilhelm, die vor 16 Jahren den Sturz Bernhard Vogels betrieb – mit der von ihnen nicht einkalkulierten Folge, dass sich die Wähler verärgert abwandten und der SPD die Verantwortung im Land übertrugen. „Seitdem agieren diese Leute gegen jeden unserer Vorsitzenden“, klagt ein Landtagsabgeordneter, „weil sie verbittert und zugleich überzeugt sind, sie seien die Besten.“

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